Aspergerautist und Krebserkrankung - Erfahrungsaustausch

  • Ginome

    fehlt Dir denn ein Partner? Es gibt ja Menschen die sind sich selbst genug oder wollen das auch.


    Ich hatte es so verstanden das du schon einen gesucht hast? Oder war das falsch von mir verstanden?

    Liebe Grüße

    Biggi

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    Das Wesentliche ist für manche Augen unsichtbar!

  • Ich hatte es versucht früher.

    Als Jugendliche und junge Erwachsene "weil es sich so gehört". Das "dazugehören" war immer ein wichtiger Punkt.

    Später auch weil ich es mir wünschte.

    Es war mir schon immer ein Rätsel wie sowas geht. Für jemanden, der noch nichtmal Freundschaften aufbauen und halten kann, ist eine Beziehung die nächste Stufe des Unmöglichen. Also noch viel schwieriger.

    Meine Freundschaften halten auch nur weil der Gegenpart all das übernimmt was ich nicht kann und auch deswegen nicht sauer ist.

    Zu einer Beziehung gehört Sex, oder zumindest Zärtlichkeiten, zwingend dazu. Selbst wenn sich jemand darauf einlassen würde, lange ginge das nicht gut.

    Das nächste Problem ist auch das Zusammenwohnen. Das würde ich keine drei Tage ertragen. :D


    Daher habe ich eingesehen, dass es keinen Sinn hat. Ich komme mit dem Alleinsein eigentlich gut klar. Vor allem weil es auch mittlerweile das Internet gibt was für mich normale Kommunikation ersetzt. Bevor es das gab war ich regelmäßig in der Klinik. Das ist jetzt nicht mehr so. Auch wenn ich mich über so manche Idioten in den Autismusforen regelmäßig aufrege :D

    Der Wunsch nach einem Partner ist jedenfalls stark geschrumpft und ich bin eigentlich froh darüber. Das fördert nämlich Depressionen.

  • Ginome

    Ich habe gerade gelacht wegen des letzten Satzes 😂 das könnte man auch so Interpretieren das Männer Depressionen fördern 😉 ganz unwahr ist es ja nicht 😉


    Zuvor war ich jedoch erschrocken als du von der Klinik geschrieben hast, hat das Internet dich aus einer Einsamkeit geholt und warst du deshalb in der Klinik?

    Ich hoffe du regst dich nicht über meine doofen und neugierigen Fragen auf, aber du interessierst mich 😉

    Liebe Grüße

    Biggi

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    Das Wesentliche ist für manche Augen unsichtbar!

  • Wieso erschrocken? Die meisten Autisten waren (mehrfach) in der Psychiatrie. Viele bereits als Kind oder Jugendlicher.

    Ist recht normal.

    Zum Autismus gesellen sich gerne Ängste, Zwänge und auch Depressionen.

    Im Laufe der Jahre entwickelt sich häufig ein niedriges Selbstwertgefühl. Man versucht dazuzugehören. Man möchte auch Freunde, Partner wie alle anderen. Es geht aber nicht und man versteht nicht wieso.

    Oder man möchte gerne arbeiten und es geht nicht. Ein Gedanke der Nutzlosigkeit kommt auf.

    Wenn dann ein bestimmter Punkt überschritten ist bleibt nur die Klinik.


    Ich weiß nicht wie junge Autisten reagieren die ihre Diagnose sehr früh erhielten. Ich kann mir aber vorstellen, dass es einfacher ist damit umzugehen - jedenfalls dann wenn man die Diagnose akzeptiert hat.

    Vor 50 Jahren gab es keine sprechenden Autisten. Daher bekam ich eine andere Diagnose. Diese erklärte mir gar nichts. Sie gab nur meiner Mutter alle Schuld. Zu jedem Zeitpunkt einer erneuten Diagnostik als Kind war meine Mutter Schuld. Aber auch als Erwachsener war bei jeder erneuten Diagnostik dieser Punkt mit enthalten.

    Das Aspergersyndrom wurde erst Mitte / Ende der 90er wirklich bekannt. Als ich dann von einer Spezialambulanz die Diagnose erhielt war es erstmal schwierig weil es auch eine Endgültigkeit hatte. Irgendwann danach fing ich an zu akzeptieren. Spätestens da war meine Klinikkarriere beendet. Ich habe mich im Leben eingerichtet und komme, mit Hilfe, irgendwie klar.


    Jahre vorher half aber auch das Internet das die Häufigkeit abnahm. Kontakte waren plötzlich doch in einem bestimmten Rahmen möglich. Allerdings gab es auch hier kommunikative Schwierigkeiten und Stress. Deshalb warne ich gerne vor. Ich habe auch im Netz viele Leute vergrault und es erst gemerkt als es viel zu spät war.

    Ob ich einsam war weiß ich nicht. Ich habe kaum Zugang zu meinen Gefühlen und kann mit "Einsamkeit" nichts anfangen.

  • Ginome


    Mich kannst du nicht vergraulen 😉 ich find die Kommunikation nämlich sehr interessant und auch was und wie du schreibst.


    Ich finde es sehr offen und ehrlich was ich sehr mag. Es gibt wenig Menschen die so klar beschreiben können wie was abgelaufen ist und das kannst du.


    Das mit deiner Mutter tut mir leid, sie muss wie du ganz schön gelitten haben ohne das ihr zwei wirklich was dafür konntet. Und das es so lange gebraucht hat bis Ihr Gewissheit hattet was es denn tatsächlich war und ist. Ich mag mir nicht vorstellen wie die Zeit bis zur richtigen Diagnose bei dir war, denn dann bekomme ich bestimmt Beklemmungen das sowas noch möglich ist. Wenn ich Klinikaufenthalte höre denk ich direkt an Psychiatrie und Zwangsjacken. Ich hoffe es war nicht so schlimm 🙄


    Lebt deine Mutter noch und hast du noch Kontakt zu ihr?


    Und ein geringes Selbstwertgefühl oder auch wie du es schreibst Nutzlosigkeit kann ganz schön einsam machen. Ist schade das es so ist und irgendwie freu ich mich das du das Internet für dich entdeckt hast und dich hier angemeldet hast.


    Wir gehen ja als „gesunde“ oft zu schnell an Menschen vorbei, auch wenn wir es nicht wollen es passiert einfach. Alles ist schneller, bunter und zynischer geworden, wenige hören richtig zu, viele sind mit sich beschäftigt und da verstehe ich das du dich ausgegrenzt fühlst.

    Mir geht es ja als „kranke“ auch manchmal so, nicht zuhause, aber unterwegs und oft beim einkaufen.

    Liebe Grüße

    Biggi

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    Das Wesentliche ist für manche Augen unsichtbar!

  • Wenn ich Klinikaufenthalte höre denk ich direkt an Psychiatrie und Zwangsjacken. Ich hoffe es war nicht so schlimm 🙄

    Zwangsjacken gibt es schon ewig nicht mehr. Die Psychiatriereform in den 80ern hat da sehr viel verändert.

    Selbst Fixierungen sind selten und auch nur mit richterlichem Beschluss möglich. Dabei sind sie bei manchen Krankheitsbildern unumgänglich.


    Lebt deine Mutter noch und hast du noch Kontakt zu ihr?

    Ich habe wieder Kontakt zu ihr. Die Diagnose hat uns beiden sehr viel erklärt und viel Schuld rausgenommen.

    Sie hat auch bei der Diagnostik gut mitgearbeitet. Ohne Zeitzeugen kann eine Autismusdiagnose ja nicht sicher gestellt werden.