Antihormontherapie und Antidepressiva?

  • Hallo zusammen,


    ich bin ganz neu hier und 54 Jahre alt. Als hätte ich nicht schon genug "am Hals", bin ich nun an einem hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom erkrankt, welches inklusive Sentinel am 30.07.2019 entfernt wurde. Nun "rät" man mir nach Abheilung der OP-Wunden zur Strahlentherapie (bin alles Andere als begeistert) und gleichzeitig zur Hormonblockertherapie, um eben die Östrogenproduktion zu eliminieren. Und hier beginnt mein Problem. Denn ganz abgesehen von den Nebenwirkungen und dem Abbau der Knochendichte, den man mit halbjährlichen Bisphosphonatinfusionen "behandeln" möchte, verhält es sich nunmal so, dass ich aufgrund einer psychischen Erkrankung (ich wurde nach einer psychotischen Episode 2012 als bipolar diagnostiziert) außer Antipsychotika und Stimmungsstabilisatoren Antidepressiva einnehme, die bekanntlich die Wirkung der Östrogenblocker aufheben. Die Schulmediziner sagen ausnahmslos, es gäbe keinen Weg an der Strahlen- und erst recht nicht an der Hormonblockertherapie vorbei, um den Krebs "möglicherweise" zu besiegen, beziehungsweise meine Chancen zu maximieren. Mein "Bauch" sagt mir allerdings eindeutig, dass ich letztere Therapie NICHT machen sollte und erst recht nicht machen WILL. Es ist fast so, als würde sich jede Zelle meines Körpers dagegen wehren. Im Grunde steht meine Entscheidung so gut wie fest, und trotzdem fühle ich mich gefangen wie ein Tier im Käfig. Die Hormonblocker wirken nicht, wenn ich Antidepressiva einnehme. Diese abzusetzen, könnte mich möglicherweise in eine Depression navigieren, die auch noch durch die Einnahme der Hormonblocker verstärkt werden könnte. Will ich das? Seit 5 Jahren bin ich stabil; kann ich es mir leisten, meine Medikamente (deren Nebenwirkungen ich deutlich zu spüren bekomme) auszuschleichen und abzusetzen, ohne einen "Rückfall" zu riskieren? Oder verhält es sich so, dass ich als "geheilt" getrost den Versuch wagen kann? Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Wer weiß, ob es Alternativen zur Schulmedizin in Sachen Östrogenblocker gibt?

  • Liebe Capricornus ,

    eine wirklich wirksame Alternative zu Hormonblockern gibt es meines Wissens nicht. Ich nehme seit November 2018 Letrozol, habe zwar Nebenwirkungen, sehe dennoch die Tabletten als eine Art Lebensversicherung. Ist es denn ganz sicher, dass die Hormonblocker die Wirkung der Antidepressiva aufheben?

    Vielleicht wendest du dich zwecks Beratung an den Krebsinformationsdienst, du wirst zurückgerufen von den kompetenten Ärzten: http://www.krebsinformationsdienst.de

    Ich lese hier ab und an von Frauen mit Rezidiven und/ oder Metastasen, die im Nachhinein bedauern, ihre Antihormontherapie abgelehnt oder abgebrochen zu haben.

    LG, Moni13

  • Hallo liebe Capricornus , herzlich Willkommen hier im Forum:hug:

    Da hast Du ja gleich doppelt zugegriffen:(

    Es gibt leider keine wirkliche Alternative zur Antihormontherapie. Tatsächlich hast Du jetzt die Wahl zwischen Pest und Cholera.

    Natürlich ist das Tamoxifen auch keine Garantie keinen Krebs mehr zu bekommen, aber es erhöht halt die Chancen ganz massiv.

    Tut mir leid, das Du jetzt in so einer hin und her gerissenen Situation bist:(

  • Liebe Capricornus ,

    ich kann mangels eigener Erfahrungen gar nicht mitreden, will nur auf die Gesellschaft für biologische Krebsabwehr mit Sitz in Heidelberg hinweisen, die m. W. einen ärztlichen Beratungsdienst anbieten. Vielleicht fragst Du dort auch mal um Rat. Ggf. wäre auch die Entfernung der Eierstöcke eine Alternative zu den Hormonblockern. Einer Freundin von mir musste zeitgleich zu ihrer Brustkrebs-OP ein Eierstock wegen einer großen mit der Bauchdecke verwachsenen Zyste entfernt werden. Den anderen hat man gleich mitentfernt und es wurde wohl auch deshalb keine Notwendigkeit für Hormonblocker gesehen. Allerdings hatte sie nur ein DCIS und war schon postmenopausal (61).

    Hoffentlich findest Du eine passende Lösung.

    LG Lavara18

  • Hallo ihr lieben,

    ich hatte ja im Juni 2018 die Eierstockentfernung und jetzt am 25.07.19 die Gebärmutterentfernung,muß trotzdem Tamoxifen nehmen,da der Körper im Fettgewebe und Nebenniere etc. immer noch Hormone produziert.

    Liebe Capricornus ,

    bespreche das ganze mal mit Deinem Neurologen ob es nicht ein anderes Medikament für Dich gibt.

    Ich habe / hatte seit 19Jahren eine Angststörung und mein Dauermedikament dafür harmoniert ganz gut mit dem Tamoxifen.


    Ich wünsche Dir/ Euch alles Gute:*

  • Wenn man ab und zu von Frauen liest, die Hormonblocker abgesetzt haben und später ein Rezidiv oder Metastasen bekommen haben, so bedeutet das ganz und gar nicht, dass sie diese Rezidive oder Metastasen nicht bekommen hätten, wenn sie den Hormonblocker genommen hätten. Man hört auch von Frauen, die einen Rückfall hatten, obwohl sie einen Hemmer genommen haben. Jeder Krebs ist anders, und wenn man den Hormonhemmer nicht verträgt, oder wenn er mit anderen Medikamenten, die man aber nehmen muss, nicht zusammen passt, dann muss man selber abwägen, was für einen selbst wichtig ist. Das Leben muss noch lebenswert sein! Hormonblocker nehmen bedeutet leider nicht die absolute Sicherheit, dass der Krebs nicht wieder kommt. Es kann eine Hilfe sein.

    LG

    Jonna

  • Liebe Jonna ,

    da bin ich völlig einer Meinung mit dir. Garantie gibt es bei unserer Erkrankung nicht. Aber ich möchte halt alle Möglichkeiten der modernen Medizin ausschöpfen. Wenn ein Rezidiv oder Metastasen auftreten, fragt sich jeder Mensch, ob er das hätte verhindern können. Das will ich für mich ausschliessen.

    LG, Moni13

  • Liebe Capricornus , zwar ist es bei mir keine bipolare Störung, sondern eine krankheitsbedingte Depression, aber ich nehme Antidepressiva (Citalopram, bei Bedarf früher Tavor) und Letrozol seit über einem Jahr zusammen ein. Dass es eine Wechselwirkung geben könnte, war nie ein Thema bei den behandelnden Ärzten. Sind es Antidepressiva allgemein, die die Wirkung aufheben, oder doch vielleicht nur ganz bestimmte?

  • Guten Morgen Capricornus,


    herzlich willkommen in unserem Forum. Wie Du sehen kannst, hast Du schon viele Fragen bekommen. Hoffentlich bekommst Du durch den Austausch die Gewissheit, dass der Weg, den Du einschlagen willst, genau der richtige für Dich ist. Für Deine Entscheidung wünsche ich Dir alles Gute und schicke Dir ein Paket mit Kraft, Mut und Zuversicht.

    Liebe Grüße, Alice


    Mitglied des Moderatoren-Teams


    Statt über die Dunkelheit zu klagen, zünde ich lieber ein Licht an.

  • ich hatte gerade gestern meinen beipackzettel vom exemestan in der Hand. Von Wechselwirkungen mit Antidepressiva stand da nix. Vielleicht schaust du mal die verschiedenen Optionen zur AHT durch, ob da was bei ist was passt.

    Ansonsten ist Bauchgefühl natürlich auch nicht zu unterschätzen. Du wirst die für sich richtige Entscheidung finden

  • Hallo Capricornus,


    Ani68 ist auch als bipolar diagnostiziert. Schau mal in diesem Thread: Brustkrebs und bipolar.


    Ich selbst habe eine Vorgeschichte mit unipolarer Depression. Ich hatte unter Tamoxifen heftige psychische Nebenwirkungen (das muss aber nicht bei jedem so sein) und habe es deshalb letztendlich abgesetzt. (Psychopharmaka hatte ich schon vorher abgesetzt und will ich auch nicht mehr nehmen.)


    Wie schon gesagt wurde, hebt sich die Wirkung von Tamoxifen und Antidepressiva nicht in jedem Fall auf. Das gilt nur für Antidepressiva, die über dasselbe Enzymsystem wie Tamoxifen verstoffwechselt werden. Bei Aromatasehemmer (sollst du wohl bekommen) kenne ich mich allerdings nicht aus.


    Medikamentöse Alternativen zur Antihormontherapie gibt es nicht, aber regelmäßiger Sport (hab jetzt nicht parat, wie viel und wie oft in der Woche das sein muss) ist eine Rezidivprophylaxe, die fast genauso wirksam ist.

  • Capricornus


    In englischsprachigen Foren lese ich immer wieder, dass Patientinnen eine AHT-Therapie erhalten und gleichzeitig Antidepressiva einnehmen.

    Ich würde mich da nochmals ausgiebig informieren. Der Krebsinformationsdienst ist da eine gute Anlaufstelle oder auch Psychotherapeuten.


    Viele gute Wünsche

    Marie