Stimmungsschwankungen ?

  • Hallo Ihr Lieben ,


    Ich mach mal dieses Thema auf, weil ich doch gerne von Euch wissen würde, wie es mit Eurem Seelenleben aussieht ;) .
    Also ich habe festgestellt, dass ich seit der Entfernung des Tumors mich sehr verändert habe. Ich habe lange bevor ich das wusste, echt extreme Wutattacken bekommen. Ich konnte von jetzt auf gleich, mein Kind so anbrüllen, dass ich selber Angst vor mir bekommen habe und es mir dann aufrichtig leid getan habe. Ich habe nie eine Erklärung dafür gefunden und habe ich mich so manches mal echt geschämt und war todtraurig, was ich da meinem Kind angetan habe. Das war richtig schlimm für mich. Ich habe mich ganz schnell über Dinge aufgeregt, die eigentlich sinnlos waren und dann war da immer diese massive Wut. Nicht zu erklären ;( . Jetzt ist dieser Tumor nicht mehr und ich habe diese Wutausbrüche nicht mehr, ganz im Gegenteil. Ich habe gar nicht den Drang so hoch zu fahren und bin echt wieder gelassen. Eine Ärztin sagte mir, dass es mit dem Tumor zusammen hängen kann, denn er hat nicht umsonst den Namen bösartig, aber ob ich das glauben soll ? Jetzt gerade habe ich die Phase, dass ich mich fühle als wenn ich unter einer Glocke sitze und nichts kann ich ändern. Zum Teil bin ich enttäuscht, dass von der Familie nicht so die Unterstützung gekommen ist und auf der anderen Seite frage ich mich, ob ich nicht vielleicht zuviel erwartet habe und nicht zu sehr der " Egoist" geworden bin ? . Von meinem Partner habe ich mich auch gerade getrennt und er hat das ohne Worte einfach hin genommen. Fühlt sich so an, als wenn die 8 Jahre vollkommen umsonst gewesen sind und ich ärger mich darüber, dass ich ihm soviel gegeben habe und immer für ihn da war. Beruflich habe ich mein Nageldesign komplett eingestellt und ich warte nun darauf, was am Montag bei dem Gespräch mit dem Arzt heraus kommt. Ich habe für mich selbst aber erkannt, dass ich viel zu locker mit der Diagnose Krebs umgegangen bin und ich echt ein Problem damit habe, Gefühl zu zeigen. Deswegen habe ich wahrscheinlich nach der Narkose auch so lange geweint und das waren die Tränen, die Wochen vorher nicht fliessen konnten :hot: . Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir schreiben würdet, wie es mit Eurem Gefühlsleben so aussieht :love:


    Lieben Gruss und einen schönen dritten Advent

  • ich kann natürlich noch nicht soviel über Stimmungsschwankungen sagen, weil ich erst Anfang Noember operiert wurde und Krebs als Zufallsbefund abfiel. Erst war ich total geschockt, dachte gleich an Todesurteil und fand alles sinnlos. Nur mit Hilfe meiner Freunde und Famile rettete ich mich über das Wochenende (Sa. hatte der Arzt mit mir geredet). Dann gabs Montag ein Bauch-CT und ich stand eher neben mir, lethargisch ließ ich alles über mich ergehen, hatte mich wohl dicht gemacht, um alles ertragen zu können? Abends CT Auswertung, keine Rezidive nur ein kleiner unspez. Herd in der Lunge (muss engmaschig kontrolliert werden). Uff, erstmal erleichtert. 2 Tage später entlassen und mir gings eigentlich gut, fühlte mich gar nicht krank. Alles war wie immer und doch war alles anders (durch die Diagnose). Mmh, mir war aber die Endlichkeit des Lebens bewußt und ich plante ab da (bis jetzt) fast jeden Tag etwas, damit ich nicht in die Gefahr kam, den Tag zu verdümpeln, was ich vorher oft getan habe. Jetzt schienen mir einfach die Tage zu kostbar. Also ich plante keine spektakulären Sachen: Frühstücken mit der Freundin, Supermarkt shoppen, Termin beim Arzt o. Psychoonkologen, Chor... Aber ich hatte jeden Tag was vor. Nach 2 Wochen kam der Absturz als 2 geschätzte Ärzte gegenteilige Meinung betreffs Lapraskopie (jetzt noch) hatten, beide hatten gute Gründe! Da saß ich nun zwischen den Stühlen, als wenn frau nicht schon genug Probleme mit der Diagnose hat. Stimmung war absolut im Keller (wieder Dümpeltage), mir wurde die Bösartigkeit des TUs wieder schlagartig bewußt… Ich kam mir nun recht einfältig vor, weil ich jetzt 2 Wochen unbeschwert glücklich gelebt hatte und den Krebs weitgehend ignoriert hatte. (Bin natürlich froh, dass ich es getan habe.) Da sitzt frau nun psychisch im Keller und kann es nicht lassen nach der Prognose ihres TUs zu surfen, ein Fehler, nicht empfehlenswert, aber wenn man im Netz ist… Innerlich alles nur zum Heulen. Aber manchmal hat das Netz auch sein Gutes! Da habe ich nämlich diese HP gefunden und mich gleich angenommen gefühlt. Ich spüre nun richtig wie ich die Stimmungsleiter, Stufe für Stufe höher klettere! Ich merke, wie wichtig es ist mit Gleich-Erlebten in Kontakt zu sein! Die Familie ist schnell mit unseren Ängsten überfordert, weil sie ja auch ihre eigenen verarbeiten muss.
    Das Leben verläuft in Wellen und daher weiß ich, dass es auch wieder abwärts gehen wird – ABER jetzt weiß, dass ich nicht mehr allein bin, weil ich euch habe :) !!!


    Liebe Grüße
    Wölfin

    Das Leben ist kein Problem, das es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

    (Buddha, Siddhartha Gautama, ca. 563-483 v.Chr.)

  • Hallo Sonjavs,
    bei mir war es so, dass ich mich wochenlang schlecht gefühlt habe, das aber niemand ernst genommen hat und ganz sicher nicht die Hausärztin. Dann bin ich mehr oder weniger zufällig (der HNO zu dem sie mich schicken wollte war im Urlaub) im Krankenhaus gelandet und hab am selben Tag die Diagnose akute Leukämie (AML) erhalten. Mein erstes Gefühl war Erleichterung weil sich nun jemand kümmert. Die Diagnose konnte ich noch gar nicht aufnehmen. Meine Kinder kamen zu meinen Eltern und am nächsten Tag gings gleich mit der Chemo los. Mir ging es erst mal so schlecht, dass ich ganz wenig gefühlt habe. Nur Sehnsucht nach meinen Kindern, die ich insgesamt 7 Wochen nicht gesehen habe (bin alleinerziehend). Dann kamen die Ängste. Gleichzeitig das Gefühl, dass Menschen so lieb zu mir waren wie schon lange nicht mehr, wirklich schöne Begegnungen (wenn ich mal nicht in Isolation war), Trauer, Einsamkeit und manchmal auch Wut (weil ich nicht wusste wohin mit all den Gefühlen). Sehnsucht nach meinen Kindern, die Angst, dass ich sie zum letzten Mal sehe (ich denke das ist spezifisch für AML - weil man während der Chemophasen isoliert ist und das Immunsystem so runtergefahren wird, dass ein Infekt einen ganz schnell in die Intensiv und evtl. nicht mehr raus bringen kann, also dass eben nicht mal Zeit wäre für einen Abschied). Ich habe auch gemerkt, dass ich eine Mauer um mich gebaut habe, weil es mir so weh getan hat meine Liebe zu meinen Kindern so richtig zu spüren und dann evtl. zu sterben. Ich konnte das nicht völlig fühlen. (Noch jetzt muss ich weinen, wenn ich das schreibe.)
    Zwischenzeitlich hatte ich null Verständnis für Alltagsdramen und dachte immer, warum jammert die so rum, sie ist gesund, sie hat wundervolle Kinder... und neben mir liegt Frau X, die bald sterben wird und sie weint und lächelt manchmal trotzdem. Aber sie jammert nicht. Und dann habe ich von Frau X gelernt (u.a.) dass es um Liebe geht (zumindest für mich) und mir einen liebevolleren Blick auf die Welt gegeben - höchstens manchmal einen traurigen. In der Reha habe ich wieder genau das getroffen - eine Menge sehr liebevoller und ganz unterschiedlicher Menschen und ich hatte Angst vor dem Alltag, der mir nach einem halben Jahr nicht mehr vertraut war. Das kam schnell zurück.
    Im Januar habe ich Nachuntersuchung des Knochenmarks. Ich denke nicht mehr die ganze Zeit an Krebs, es vergehen manchmal Stunden in denen ich einfach wieder "ich" bin - verändert aber doch ich. Aber dann packt mich die Angst und die Traurigkeit und ganz, ganz oft die Einsamkeit. Und manchmal die Traurigkeit darüber, dass wir uns mit unseren Ängsten (in meiner Familie) nicht annäheren können und jeder damit allein bleibt. Und dann versuche ich für die Ängste meiner Kinder da zu sein. Damit wenigsten sie nicht allein sind. LG Wolke

  • Hallo liebe Sonjavs,


    wie geht es Dir mit Deinen Stimmungsschwankungen? Jetzt wo das Neue Jahr angebrochen ist, und es wieder etwas ruhiger geworden ist, nach dem Weihnachtstrubel, hat bei mir wieder die "ANGST" die Obermacht. Ich frage mich immer, haben wir, die mit befallenden Lymphknoten, ich hatte 6 davon, auch eine Chance? Die Angst ist bei mir zur Zeit ständiger Begleiter. Dann gebe ich mir wieder einen Stoß und denke "es wird schon". Dann melden sich wieder Schmerzen, die ich nicht zuordnen kann. Ich versuche zu "visualisieren", dass hilft mir wieder etwas. Aber die Traurigkeit und Angst seit meiner Diagnose lassen mich nicht mehr los.


    Wie geht Ihr damit um?


    Lg Miami :hug:

  • ich kenne deine „amtliche“ Prognose nicht, aber diese Prognosen/Statistiken berücksichtigen „nie“ das Individuum und es gibt immer eine positive Seite und warum sollten du und ebenso alle in diesem Forum nicht dort sein? Ich habe mal gelesen, dass, wenn es ein Mensch je geschafft hat, es potentiell jeder Mensch schaffen könnte!!! Die Chance ist IMMER da :thumbsup: ! Ich finde das sehr tröstlich, also warum solltest du den Krebs nicht besiegen!


    Natürlich kenne ich auch Angst und Panik, dann rede ich mit lieben Menschen oder gehe hier ins Forum, bislang klappt die Strategie.


    Alles Liebe und Stärke


    Wölfin :hug:

    Das Leben ist kein Problem, das es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt.

    (Buddha, Siddhartha Gautama, ca. 563-483 v.Chr.)

  • Hallo Miami,


    ich kann Dich gut verstehen. Die Angst ist auch mein ständiger Begleiter. Es gibt Zeiten, da gelingt es mir damit umzugehen, z.B. wenn ich ganz toll abgelenkt bin......aber sie kommt wieder...die Angst und auch die Traurigkeit. Wie ich damit umgehe? .......Wenn es mir gelingt: reden, reden, reden. Geht aber nicht immer, weil es keine mehr hören will. Also versuchen sich abzulenken, Geht aber auch nicht immer. Dann hilft bei mir nur, mein Selbstmitleid zuzulassen. Geht aber auch nicht immer. Was dann. .............Stark sein bis der "Anfall" vorbei ist. Ich würde gerne was Mut machendes Schreiben, habe aber auch keine Lösung. Vielleicht bekommen wir ja noch ganz viele Antworten, die uns dann weiter helfe. Alles wird gut. :)

  • Liebe Wölfin,


    vielen Dank für Deine tröstenden Worte. :hug: Ich bin so froh dieses Forum zu haben. Leider habe ich Niemanden, der meine Ängste versteht. Ich rede mit meiner Familie nicht darüber. Eine Schulter zum Anlehnen habe ich nicht. Meine Prognose lautete, zu 80 % kann ich es schaffen! Diagnose: Multifokales invasiv-duktales Mamma Ca. pT1c, pN2a (6/14), M0, G2,L1,V0, HERZCEP-Test 2+; SISH-Test. positiv.


    Die Statistiken lese ich schon gar nicht. Ich hoffe, wenn ich endlich bei der Reha bin, dass ich dann auf andere Gedanken komme. Seit ich die Diagnose im Juli/13 erhalten habe, wache ich früh damit auf und gehe abends damit schlafen, kaum, dass ich tagsüber andere Gedanken hatte.


    Ich drücke Dich und danke Dir für Deine Mut machenden Worte. :hug:


    LG Miami

  • Hallo Miami,


    ich bin auch nodalpositiv. Deine Angst kann ich sehr gut verstehen. Trotzdem dürfen wir uns die Frage nicht stellen - habe ich eine Chance? Auch ich habe immer wieder meine Tiefs, die Angst es nicht zu schaffen überkommt mich oft. Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen solche bösen Gedanken nicht mehr zuzulassen. Wir haben ohnehin keine Wahl und müssen aus unserer Situation das Beste machen. Ich bin überzeugt...wir werden es schaffen!!!


    Alles Liebe
    Paula