Chemoabbruch / Immuntherapie?

  • Hallo zusammen,


    Ich bin im Moment sehr verzweifelt. Nach meinem TN Rezidiv und anschließender Mastektomie habe ich nun die zweite Runde der neuen Chemotherapie Gemcitabine und Carboplatin erhalten. Ich vertrage sie schlecht. Nach der ersten Chemo war mir eine Woche lang übel, ich hatte jeden Tag Kopfschmerzen und kaum Appetit. Die Blutwerte waren schon nach der ersten Gabe so im Keller, dass ich spritzen muss.


    Ich hab schon die Chemo nach der ED schlecht vertragen (4 EC, 12 Pacli und Platin). Damals hieß es, ich habe eine PCR. Das Ganze ist gerade mal 1,5 Jahre her und schon jetzt drifte ich in ein absolutes Tief und empfinde gerade einfach keinen Mut oder Lebensqualität.


    Nun bin ich wirklich mit mir am Hadern, ob ich das Ganze abbrechen soll. Ich habe nämlich noch 4 Monate Chemo vor mir. Die Onkologen empfahlen mir diese Chemo für evtl. herumschwirrende Zellen. Sagten aber auch, dass ich auch gar keine Chemo machen könne. Von der Immuntherapie wollen sie nichts wissen, die bekäme ich nur, wenn ich Metastasen hätte.


    Kennt sich hier jemand aus, wie man vielleicht doch an eine Immuntherapie kommt? Notfalls als Selbstzahler?


    Was würdet ihr an meiner Stelle tun?

  • Mhm, schwierig.

    Immuntherapien bekommt man am "einfachsten" über Studien. Sofern man eine passende findet. Es ist halt echt teuer. Kein Wunder, dass die Kasse das nur bei Metas übernehmen möchte.


    Soweit ich weiß, kann man die Immuntherapie als Monotherapie bekommen. Häufiger ist aber wohl die Kombination mit einer Chemotherapie.


    Warst du denn schon getestet, ob eine Immuntherapie für dich überhaupt sinnvoll ist? Ich weiß es grade leider nicht mehr.


    Ansonsten: Was sagen deine Ärzte zu deinen Beschwerden? Wie sieht es mit einer anderen Chemo aus? z.B. Eribulin?

  • Liebe Kajuscha Pdl1 ist bei mir vorhanden (50%). Meine Ärzte gehen ehrlich gesagt nicht wirklich darauf ein. Das war beim letzten Mal schon so. Man wird fit gespritzt und eine Chemo nach der anderen verabreicht. Nach dem Motto "Da müssen Sie jetzt durch". Durch die letzte Chemo hab ich mich ja noch gequält in der Hoffnung, dass es das dann gewesen ist. Und zum Dank hab ich nach 1,5 Jahren ein Rezidiv. Aber nun bekomme ich eine völlig andere Chemo, bei der mir keiner sagen kann, ob es überhaupt was bringt. Und ich frage mich, warum ich mir das antun soll, wenn die letzte Chemo doch schon nicht zum Erfolg geführt hat...

  • Mhm, ich möchte deinen Denkansatz einmal umdrehen:

    Was, wenn genau diese aktuelle Chemo die richtige ist?

    Das könnte ja auch sein. Tumore aind verschieden. Reagieren unterachiesluch auf Medikamente. Was bei A wirkt kann bei B völlig versagen. Und ungekehrt.


    Hast du denn mal geschaut, ob es zufällig ne passende Studie gibt für deine Situation?

  • Kajuscha da magst du recht haben. Dieser Optimismus fehlt mir momentan. Sobald ich allzu sehr unter meinen Nebenwirkungen leide, ist meine Psyche sehr am Schwächeln.


    Ich hatte mir ja eine Zweitmeinung eingeholt und sie hat auch nach Studien geschaut und da gibt es wohl in meiner Situation derzeit nichts. Die meisten Studien beziehen sich ja doch auf metastasierte Situationen.

  • Liebe

    @SarahVillipa

    Ich weiss alles ist schwierig und deine Ängste kenne ich. Auch diese ganzen Chemobeschwerden, diese extreme Übelkeit, die bei mir auch über 1 Woche lang anhielt.


    Fassen wir einmal zusammen. Positiv war, dass die Chemotherapie bei dir wirkte. Du schreibst sogar von einer PCR. Die Chemotherapie kann heilen, muss aber nicht. Leider nun dein Rezidiv. Die Chemotherapie schenkte dir aber Zeit. Wie hat der Pathologe nach SINN deinen Chemoerfolg beurteilt ? Bestimmt ein Wert von 3 bis 4.


    Warum bist du nun so negativ auf die 2. Chemotherapie eingestellt ? Sehe es doch als Chance, da gibt es etwas, was evtl. meine Tumorzellen töten könnte.


    Im Grunde gibt es noch keine Immuntherapie bei Brustkrebs. Ich denke wir sprechen von Brustkrebs. Alles noch im Versuch, erfolgreicher Ausgang ungewiss. Sehe doch diese Möglichkeit, als letzten Pfeil im Therapieköcher. Die Medikamente rund um die Immuntherapie, sind richtige Brocken....Als Arzt muss man dies auch verantworten können, oft schenken sie einem nur wenig bis viel Zeit. Von Heilung habe ich nichts gelesen.


    In unserer fortgeschrittenen Erkrankung geht es nur noch darum, denn chronischen Verlauf zu stoppen oder zu verlangsamen. Ich brauchte auch eine gewisse Zeit, um dies für mich zu akzeptieren.


    Sil

  • Liebe @SarahVillipa, bei PD-L1-Expression des Tumors könnte - theoretisch - der Antikörper Atezo zum Einsatz kommen. Theoretisch deshalb, weil die Immuntherapie mit diesem Antikörper bislang tatsächlich nur für fortgeschrittene Krebserkrankungen zugelassen ist.

    Ich nehme zurzeit an einer Studie teil, bei der es um die Zulassung von Atezolizumab zur Behandlung von noch nicht metastasiertem Brustkrebs geht. Allerdings dürfen Patientinnen, die an dieser Studie teilnehmen wollen, meines Wissens noch nicht vorbehandelt sein, d.h. mit der Chemotherapie noch nicht angefangen haben.

    Eine Immuntherapie selbst zu bezahlen, wenn es einem denn gelingen sollte, an das betreffende Mittel heranzukommen, das für diese Indikation womöglich noch gar nicht zugelassen ist, dürfte zudem eine ziemlich teure Angelegenheit werden. Ich glaube, mehrfach gelesen zu haben, dass beispielsweise eine Therapie mit Atezolizumab um die 200.000 Euro kostet.


    Und was deine lang anhaltende Übelkeit nach Carboplatin anbelangt: Ich weiß ja nicht, was du als Begleitmedikation erhälst, aber tatsächlich haben die Ärzte bei der antiemetischen Prophylaxe in der Regel noch reichlich Spielraum nach oben. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen eine höhere und längere Gabe von Setronen und Kortison, und reichen bis zu Cannabidiolen und Neuroleptikern.


    Ich wünsche dir alles Gute, und verliere nicht die Hoffnung und die Kraft! :hug:

  • Vielen Dank für eure Nachrichten. Ich weiß, ich muss einfach versuchen, diese Therapie jetzt für mich zu akzeptieren und hoffen, dass ich danach endlich Ruhe habe. Sollte sich die Übelkeit nicht bessern, werde ich auf jeden Fall nach einer besseren Medikation fragen.


    Bzgl. Immuntherapie: Schade aber auch, 200.000 Euro habe ich momentan nicht auf der hohen Kante^^ Bleibt nur zu hoffen, dass sich das ganze Thema nun schnell positiv weiterentwickelt, damit noch viele Betroffene davon profitieren können.


    Euch wünsche ich ganz viel Kraft und Mut für die weiteren Therapien!

  • @SarahVillipa


    Drück dir die Daumen, dass es diesmal mit der Ausrottung besser klappt.



    Britt


    Ich nehme zurzeit an einer Studie teil, bei der es um die Zulassung von Atezolizumab zur Behandlung von noch nicht metastasiertem Brustkrebs geht.

    Kannst du mir sagen, wie diese Studie genau heisst. Wie ist das Ziel formuliert ? Heilung ?


    Sil

  • Sil: Die Studie heißt GeparDouze. Die Fragestellung der Studie lautet, inwieweit sich durch Hinzugabe von Atezo zur Chemo die Chance auf eine vollständige Rückbildung des Tumors im Vergleich zur alleinigen Chemo verbessern und sich die Dauer bis zum Wiederauftreten der Krankheit verlängern lässt. Ziel ist es, die Rate der Patientinnen mit einer pCR zu erhöhen.