Katha-Pult - Krebsdiagnose als Chance dem Leben mehr Sinn zu geben?!

  • Hallo zusammen,


    ich denke das Fragezeichen steht schon richtig in der Überschrift. Jede von uns hat ja eine unterschiedliche Ausgangslage. Zudem hat jede Frau unterschiedliche Empfindungen. Ich finde es super, wie offen wir hier sprechen dürfen. Es gibt nicht diesen erhobenen Zeigefinger, so sollst du aber nicht denken.... oder nur so geht es richtig. Ich kann es voll akzeptieren, wenn jemand anders denkt als ich. Ich versuche ein bisschen zu verstehen, warum diese Person so denkt. Oft hinterfrage ich dann auch meine Denkweise.

    Einige Ansätze gefallen mir total gut und ich will davon lernen, so wie du, Katha-Pult , es so treffend beschrieben hast. Ich würde auch aus einer ganz kurzen Lebenszeit noch versuchen, das Beste für mich rauszuholen. Ob mir das dann gelingt, ist eine andere Sache. Da spielen dann ja wieder ganz viele Faktoren mit rein. Aber ich versuche mich gedanklich schon ein bisschen drauf einzustellen, nicht ängstlich, aber doch realistisch. Denn das kann ja auch durchaus auch auf mich zukommen, dass mein Leben durch Einschränkungen noch stärker beschnitten wird. Dass dann mit Sicherheit auch Wut und Trauer dabei sein werden, ist vermutlich auch sicher. Aber da möchte ich dann nicht stehen bleiben, weil es mir dadurch vermutlich nur noch schlechter gehen würde.

    Ich bin dankbar für die vielen Beispiele, die für mich gesehen einen bewundernswerten Weg gefunden haben, diese oftmals sehr harten Bedingungen zu ertragen. Für mich seid ihr große Vorbilder. Ihr zeigt, dass man trotz erdrückender Diagnose doch noch ein Lächeln auf den Lippen haben kann. Für mich seid ihr sehr wertvoll. Und es macht mit Sicherheit Sinn, dass ihr hier schreibt. So wie so viele Beiträge hier Sinn machen und Sinn stiftend sind.


    In diesem Sinne wünsche ich euch allen alles Gute, egal wie ihr euch gerade fühlt


    Ingrid

  • Liebe Katha-Pult , liebe Ingrid Hase , liebe Kratzekatz und alle anderen, die in diesem Thread schon geschrieben haben,


    auch ich bin hin- und gerissen, wie ich meine Krankheit, (deren Diagnose ich seit Ende August erst habe, habe gerade die 2. Chemo hinter mir) denn nun "verstehen" soll - prinzipiell verstehe ich sie als gläubiger Mensch natürlich sehr wohl als Anstoß, über mein Leben neu nachzudenken, es neu auszurichten Ich bin eine, die über viele Jahre hinweg sehr von ihrem Job aufgefressen war (den ich inzwischen als mehr oder weniger sinnhaft empfinde), dabei haben das Leben an und für sich und vor allem zwischenmenschliche Beziehungen sehr gelitten. Auch war für mich immer eine Frage, ob ich denn das tue, wozu mich mein Schöpfer als "Idee" in diese Welt gesetzt hat, ob ich also seinem Willen entspreche - und wie, um Gottes Willen! - ich denn jetzt noch in meinem scheinbar zunächst mal "nutzlosen" Dasein, ich denn jetzt noch an seinem Reich "mitbauen" soll Für mich DIE entscheidende Sinnfrage. Du siehst also, in der Krankheitsphase jetzt gibt es viel für mich neu zu bedenken. An dem Wechsel von "volle Kanne arbeiten" und "gar nichts mehr arbeiten" kaue ich. Viele denken, ich sei nun von Langeweile geplagt, das bin ich aber gar nicht. Ich bin zum einen hinreichend beschäftigt mit Krankheits- und Alltagsbewältigung und dem Verdauen der immer neuen Infos, die auf einen so einströmen, zum anderen "genieße" ich es aber auch, überhaupt mal die Gelegenheit zu einem vertieften Nachdenken zu haben. Oder dazu, ein bisschen was zu lesen, mehr Musik zu hören....


    "Alles positiv sehen" - ja ich versuche es. aber ich verstehe auch sehr gut die Worte von Kratzekatz . Krankheit bedroht, sie lässt leiden, sie macht alles, aber auch alles unvorhersehbar. Wann ich selbst am Übergang von "kurativ" zu "palliativ" stehen werde, weiß ich nicht; dass meine verbleibenden Lebensjahre deutlich angezählt sind, weiß ich sehr wohl. Ich glaube, das Wichtigste ist, Schritt für Schritt zu gehen und zu versuchen, bestmöglich voranzukommen. Ganz wichtig aber auch, dankbar zu bleiben für alles, was mir geschenkt ist - das sind zur Zeit bei mir viele Menschen, die sich sorgen, mir helfen, mir Mut zusprechen. Wie es hier mit dem "langen Atem" steht, muss sich natürlich erweisen, aber schon einige wenige "Aufrechte" sind viel... Und ich freue mich über jeden Tag, an dem es mir gut geht, an dem die Nebenwirkungen sich in Grenzen halten (was bisher der Fall ist, auch wenn ich schon nach erster Chemo 10 Tage stationären Aufenthalt wegen febriler Neutropenie hatte), an dem ich in wenig spazieren kann, an dem ich gut schlafen kann. Naiv? - Mag sein, aber es ist so ok für mich.


    Und, nicht zu vergessen: Auch ich bin überaus dankbar für die vielen guten Vorbilder, die ich hier in diesem Forum gefunden habe und finde: Vorbilder an Mut, Tapferkeit, Stärke, Ehrlichkeit, Empathie, den in die Tat umgesetzten Wunsch, andere teilhaben zu lassen an den eigenen Erfahrungen, den als hilfreich erwiesenen Tipps im Kleinen und Großen - alles hat mir schon sehr geholfen und hilft mir weiter - DANKE dafür Euch allen.


    So viel für den Moment

    Eure Tendresse

  • Hallo ihr Lieben,


    Krebsdiagnose als Chance dem Leben mehr Sinn zu geben?! Die Frage hat auch mich angesprochen, kann die Krankheit dem Leben mehr Sinn geben?


    Sie ist auf jeden Fall eine Erfahrung und diese Erfahrung mache ich nicht alleine, sondern mit Millionen anderer Menschen zusammen. Krebs ist eine Krankheit die es gibt und ich gehöre nun auch dazu, die sich damit auseinandersetzen muss. Andere Menschen machen andere Erfahrungen in diesem Leben, ich mache nun einmal diese.


    Ich hätte nie damit gerechnet, dass auch ich einmal betroffen sein könnte. Doch da es jetzt so ist, wie es ist, muss ich damit in den Frieden kommen. Ich sehe sie insoweit als Chance, dass ich lerne, mit dem in den Frieden zu kommen was ist, worüber ich keine Macht habe, weil es einfach geschieht.


    Hat das ganze einen Sinn? Ich kann auch Fragen, welchen Sinn hat das Leben? Mein Leben hat den Sinn, dass ich mich weiterentwickel, vernünftig mit meinen Lebensthemen umgehe, glücklich bin mit dem was ist, dass ich Kinder in die Welt setze, damit es hier weiter geht und dann hat sich der Sinn für mich schon erfüllt.


    Ich kann nur für mich schreiben, und so wie ich im Moment denke, bei jedem ist es anders, und ich respektiere jede andere Sicht.


    Bei mir war es so, dass ich ziemlich schnell mit der Krankheit im Frieden war. Sie ist ja in mir entstanden, sie ist nicht von außen gekommen, sie ist ein Teil von mir. Ich war noch nicht einen Tag böse auf den Tumor, bzw. die Tumore in mir. Sie tun einfach das in mir was sie tun, sie empfinden sich selbst nicht als schlecht, es sind Teile in meinem Körper, die da sind und die sich ihren Raum nehmen. Diese Sicht ist vielleicht von anderen nicht nachvollziehbar.


    Nicht im Frieden bin ich zurzeit damit, dass ich mich jetzt dem Behandlung System unterordnen muss. Tun muss was andere mir raten und vorschlagen. Sicher muss ich gar nichts, es ist meine freie Entscheidung, und wenn ich keine weitere Behandlung mehr wünsche, dann wird auch dies respektiert und ich bekomme Palliativbehandlung, der ich dann aber auch unterworfen bin.


    Das ist wahrscheinlich die Chance zum Wachsen für mich, dass ich dem vertraue was mir angeboten wird, dass es Sinn macht, sich helfen zu lassen.


    Liebe Grüße

    Leonie

  • Guten Morgen Katha-Pult ,

    Dein Thread ist für mich sehr interessant, auch Dein Beitrag, Leonie L. !

    Wie es Euch gehen mag?

    Interessant ist für mich, was Du, Leonie, geschrieben hast über Deinen Tumor. Ich wollte meinen eigentlich schon gar nicht mehr hergeben, mein sehr wahrscheinlich harmloses Myom, das da unten in mir wuchs und etwas auf meine Blase drückte - ich dachte, das wäre auf eine Gebärmutter-Senkung zurückzuführen.

    Ich hatte auch nie damit gerechnet, dass es mich erwischen würde, und schon gar nicht jetzt, obwohl ich mit 50 + nicht mehr jung bin.

    In Frieden bin ich nicht mit der Diagnose und der Erkrankung. Ich nehme es schicksalsmäßig hin, das ist mehr mein Ansatz.

    So etwas ist Schicksal, Pech gehabt.

    Und wenn man nunmehr chronisch krank ist und täglich Tabletten schlucken muss - darf, muss es heißen, kann froh sein, dass es ein passendes Medikament gibt - dann ist es eben so und nicht zu ändern. Könnte ja alles viel viel schlimmer sein, kein Grund zum klagen.

    Soweit meine rohen Gedanken zum Thema

    Ich wünsche Dir, wünsche Euch alles Gute,

    Viele Grüße, gistela

    Am schönsten ist es für mich zwischen den Wurzeln meines "Wunderbaums", mit Blick in die Krone.

    Auch der Baum ist nicht mehr ganz gesund, so passen wir gut zusammen.