Anfang 40 und Metastasen - lohnt ein Rentenantrag?

  • Hallo,


    ich bin Anfang 40 und Mutter von drei Kindern. 2012 erkrankte ich an Brustkrebs, seit Dezember 2018 habe ich Metastasen in Lunge, Leber, Knochen und Hirn.

    Die Behandlung stecke ich relativ gut weg. Körperlich geht es mir gut. Aber die Psyche leidet und ich bin wenig belastbar.


    Nach einer Reha wurde ich als arbeitsunfähig entlassen. Daher hat die DRV mich aufgefordert, die Rente zu beantragen.


    Nunmehr stellt sich mir die Frage, ob sich der Aufwand lohnt. Mein Partner - nächstes Jahr heiraten wir - und ich sind nicht darauf angewiesen, dass ich Geld nach Hause bringe. Ich war bislang Hausfrau und hatte gerade mit der Jobsuche begonnen, als die Metastasen entdeckt wurden.

    Ich tue mich schwer mit Formularen - also nicht intellektuell, sondern der innere Widerstand steht mir im Weg. Seit einem Jahr bekomme ich es nicht hin, mich um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu kümmern.


    Nun frage ich mich, ob sich der Rentenantrag bei meiner begrenzten Lebenserwartung überhaupt lohnt oder ob ich mir meine letzte Zeit nicht mit Formularen und Fristen versaue.


    Würdet Ihr Euch die Mühe machen oder die Rente eher abschreiben? Lohnt sich der Aufwand oder ist es nur zusätzlich zermürbend? Und welche Konsequenzen hat es überhaupt, wenn ich plötzlich Rentnerin bin?


    Vielen Dank für Eure Meinung!


    Herzliche Grüße


    Siracus

  • Hallo siracus , erst einmal freut es mich zu lesen, dass Du die Behandlung relativ gut weg steckst, die Phsyche ist natürlich so eine Sache, geht uns allen hier so. Und dass Du nach einer REHA als arbeitsunfähig entlassen wurdest ist schon der Hammer. Zu Deinen Fragen was die Beantragung der Rente betrifft, fehlen leider von Dir ein paar detaillierte Angaben um diese Frage besser beantworten zu können. Aber grundsätzlich sollte man vorsichtig sein die Rente zu beantragen, wenn die Rentenversicherung diesen Vorschlag macht, denn vermutlich würdest Du nur eine Erwerbsminderungsrente bekommen und die ist nicht besonders üppig, hängt natürlich auch davon ab wieviel Prozent sie Dir anerkennen und zweitens wird bei dieser Rente nach zwei Jahren nochmal neu entschieden.

    Aber ich würde Dir wirklich empfehlen mit Deinen Fragen einmal zu einem unabhängigen Rentenberater (es gibt ehrenamtliche, die Beratung ist kostenlos) zu gehen und erst einmal ausrechnen lassen, was dabei rüber kommt und die helfen Dir auch bei dem Ausfüllen von Formularen. Aber grundsätzlich liebe siracus sollte man nehmen was einem zusteht, denn dafür hat man ja auch eingezahlt. Ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen.


    Liebe Grüße


    Biggi58

  • Selbstverständlich würde ich mit den Aufwand machen, siracus . Denn du hast für dieses Geld gearbeitet. Es steht dir zu! Und auch wenn es nicht viel ist, nehmt es.

    Legt es doch einfach auf ein Konto für deine Kinder, wenn ihr es akut nicht braucht. Die können es später sicher irgendwann gut gebrauchen. Spätestens, wenn es an einen Führerschein geht.

    Oder gönnt euch was schönes.


    Wie auch immer: schenkt es nicht dem Staat!

  • Liebe siracus ,


    der Aufwand die Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen ist nicht hoch. Ich konnte es mit einer Mitarbeiterin unserer Gemeinde machen, sie hatte mir auch bei einem vorhergehenden Gespräch gesagt, was ich zu diesem Termin mitbringen muss. Vielleicht gibt es auch bei euch in der Gemeinde jemanden, der das macht.Denke auch, dass sich der Aufwand auf alle Fälle lohnt.
    Alles Gute für dich 🍀

  • Liebe siracus ,

    natürlich lohnt sich der Aufwand. Wie schon geschrieben wurde, schenke es nicht dem Staat. Ich habe den Antrag ( teilweise Erwerbsminderungsrente ) selbst ausgefüllt. Zur Reha wurde ich als voll Erwerbsfähig entlassen, aber ich gehe nur 6 Std. täglich und möchte einen Ausgleich haben, von der RV. Ich kann mich nach ca.5 Std.schon nicht mehr konzentrieren oder sitzen usw.... Mein Antrag liegt seit Februar 2019 bei der RV zur Bearbeitung. Du kannst Dir auch von einem sozialen Hilfsbereit z.B. VDK helfen lassen. Auf jeden Fall solltest du das beantragen, je eher umso besser. Es wird auch rückwirkend gezahlt.

    L.g.von Amy48

  • Liebe siracus ,


    - die Rente ist kein Almosen, sondern Geld, das dir rechtmäßig zusteht. Auch wenn du bisher Hausfrau warst, hat sich durch die Kindererziehungszeiten schon etwas angesammelt.

    - wenn du auf das Geld nicht angewiesen bist, dann verwende es für Luxus (Essen gehen statt selber kochen, Kino statt fernsehen, Haushaltshilfe statt alles selber machen, 5-Sterne Urlaub und wenn du das eh alles schon hast, kannst du es ja spenden)

    - Neben der Rente darfst du noch einen 450 Euro Job ausüben, bei Teilrente sogar mehr. Das würde dir vermutlich eh reichen.

    - wenn dir dein Partner nicht helfen kann, dann werde z.B. Mitglied im VDK. Dort hilft man dir bei der Antragstellung. Ich kann gut nachempfinden, dass du keine Kraft für das alles hast, aber es ist machbar. Suche dir jemanden, der dir hilft.

  • Liebe Siracus,


    für mich stellt sich in diesem Zusammenhang noch die Frage nach Deiner Krankenversicherung. Ich weiß nicht, wie Du aktuell krankenversichert bist. Bei Erhalt einer Erwerbsminderungsrente bist Du automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung weiterversichert. Das solltest Du evtl. ebenfalls bedenken.


    Viele Grüssles


    Saphira

  • Guten Morgen,


    vielen Dank für Eure Antworten und Gutzureden.


    Ihr habt Recht! Dann werde ich mich mal an den Papierkram machen. Mitte Dezember habe ich einen ersten Termin bei der DRV, bei dem ich die ersten Unterlagen abgeben muss.

    Schon allein die Krankenkasse ist wohl ein Argument. Ich bin gesetzlich freiwillig versichert und zahle die Beiträge selbst.


    Na, dann an‘s Werk ...


    Viele Grüße


    Siracus

  • Aber grundsätzlich sollte man vorsichtig sein die Rente zu beantragen, wenn die Rentenversicherung diesen Vorschlag macht, denn vermutlich würdest Du nur eine Erwerbsminderungsrente bekommen und die ist nicht besonders üppig, hängt natürlich auch davon ab wieviel Prozent sie Dir anerkennen und zweitens wird bei dieser Rente nach zwei Jahren nochmal neu entschieden.

    Welche anderen Möglichkeiten gibt es denn noch?

  • Hallo Herbst , das kommt darauf an, wie alt man ist bzw. wie weit man von der Regelaltersgrenze entfernt ist und wieviele Beitragsjahre man zusammen bekommt. Ich kann nur berichten wie es bei mir ausschaut, reguläre Altersrente ohne Abschläge mit 64 und 47 Jahre in die Rentenversicherung gezahlt. Mit einer anerkannten Schwerbehinderung von 50 bzw. > 50% zwei Jahre früher mit 62 allerdings mit Abschlägen von 7,2%, ein Jahr früher mit 63 mit Abschlägen von 3,6%. Eine Erwerbsminderungsrente lohnt sich eigentlich nur zur Überbrückung bis zur regulären Altersrente und auch nur dann wenn man nicht mehr arbeitsfähig ist. Die Krankenkassen schlagen diese Erwerbsminderungsrente sehr schnell vor, denn letztendlich sind wir nur Kostenverursacher und die Krankenkassen sind natürlich daran interessiert, Kosten zur Rentenversicherung umzulagern, nichts anderes wie linke Tasche, rechte Tasche. Letztendlich aber sollte man sich vorher wirklich von einem unabhängigen Rentenberater beraten lassen und das bestmögliche für sich entscheiden.


    LG


    Biggi58

  • Hallo, Biggi58


    Hm, nun komme ich ins Grübeln.


    Was ist an der Erwerbsminderungsrente denn schlecht?


    Die Krankenkasse hat sich nicht bei mir gemeldet. Vielmehr hat die DRV mich aufgefordert, die Rente zu beantragen, nachdem ich aus der Reha als arbeitsunfähig entlassen wurde.


    Ich bin unbefristet zu 100 % schwerbehindert. Und ich bin noch 27 Jahre von der regulären Altersrente entfernt.


    Und ich frage mich halt schon, ob sich mit meiner begrenzten Lebenserwartung der Aufwand überhaupt lohnt. Auf der anderen Seite kann der Rest des Lebens ja vielleicht doch noch ein paar Jahre umfassen und dann lohnt es sich natürlich doch.


    Liebe Grüße


    Siracus

  • Hallo siracus , in Deinem Fall gibt es da auch nichts zu grübeln, denn bei einer Schwerbehinderung von 100% bekommst Du natürlich die volle Erwerbsminderungsrente und da Du aus der REHA als arbeitsunfähig entlassen wurdest, kannst Du wohl kaum noch Beitragsjahre für die reguläre Altersrente ansammeln. Und liebe siracus in die Zukunft kann niemand schauen, selbst die Ärzte nicht, ich wünsche Dir jedenfalls von ganzem Herzen noch viele gemeinsame Jahre mit Deinen Kindern und Deinem Mann. Der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall, nimm was Dir zusteht, denn Du hast dafür gearbeitet und falls Du es nicht für Dich selbst brauchst, dann lege es für Deine Kinder an.


    Fühl Dich mal ganz lieb umarmt von mir:hug:


    Liebe Grüße


    Biggi58