Welche Hilfen im Alltag beim Leben mit Metastasen

  • Hallo ihr Lieben,


    Ich habe ein Anliegen. Ich habe Brustkrebs mit Metastasen bei Erstdiagnose im letzten Jahr. Ich werde auch von Beginn an palliativ behandelt, laut Tumorboard und Onkologen. Trotz allem versuche ich meine Selbstständigkeit zu bewahren. Das heißt, ich führe den Haushalt. Klar unterstützt mein Mann mich wo es geht. Auch unsere Tochter,12 Jahre, hilft wo es geht. Ihre Hilfe ging sogar soweit dass sie das Putzen der Wohnung übernommen hat. Das kann ich tatsächlich nicht übernehmen. Ich habe bei der Krankenkasse angerufen und nach Unterstützung gefragt. Darauf bekam ich einen Antrag geschickt. Den habe ich ausgefüllt und am Mittwoch ruft mich die Kasse an das sie den Antrag ablehnen. Auf mein warum bekam ich zur Antwort, ich sei nicht schwanger und muss nicht ins Krankenhaus. Ausserdem kann mein Mann putzen. Als ich sie fragte ob sie gesehen hat wann mein Mann die Wohnung verlässt und wieder kommt, kam nur ein Schweigen. Stattdessen kam die Antwort sie schickt mir den Antrag für die Pflegestufe. Nun kamen die Unterlagen u.a. auch ein Infoheft wie der Vorgang ist und welche Fragen kommen wenn der MDK zu mir kommt. Das hat mich jetzt ein wenig auszentriert. Also nach dem Fragebogen komme ich noch nicht einmal in die Stufe 1. Unterstützung für den Haushalt gibt es erst bei Stufe 2, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber was mich richtig umwirft ist die Aussage,dass der MDK empfehlen kann, mich in Reha zu schicken. Und genau das möchte ich nicht. Für mich ist der Gedanke Reha psychisch so anstrengend, dass ich nicht schlafen kann. Ich verstehe auch tatsächlich nicht wieso die Krankenkasse von vornherein gesagt hat sie übernehmen das nicht. Stattdessen bekomme ich den Antrag und soll nun Pflegestufe beantragen. Vielleicht auch wohlwissend dass ich die nicht bekomme, dafür aber die Empfehlung zur Reha.

    Ich weiß einfach nicht ob ich diesen Weg weiter verfolgen soll.

    Habt ihr einen Rat für mich?


    Liebe Grüße

    Sabine

  • Chaosmama :


    Die rechtlichen Grundlagen sind leider so, dass man eine Haushalthilfe von der KK nur finanziert bekommt, wenn man ins Krankenhaus muss und Kinder unter 12 Jahren hat, die nicht allein bleiben können. Wenn man schwanger ist und schon ein Kind zu Hause hat wird es oft auch genehmigt.

    Vorraussetzung ist auch, dass es zu Hause keine weitere erwachsene Person gibt, die sich um den Haushalt kümmern kann und dass es sich um eine begrenzte Zeitspanne (i.d.R. nicht länger als 6 Wochen) handelt.


    In allen Fällen, wo eine längerfristige Unterstützung nötig ist fällt dies in den Bereich der Pflegeversicherung. Und dazu musst Du definitiv einen Pflegegrad haben.

    Wenn Du diesen (noch) nicht bekommst wird tatsächlich erwartet, dass Du die Hilfe Deiner Familie in Anspruch nimmst. Dein Mann kann auch am Wochenende putzen und von einem 12-jährigen Mädchen kann nach Bürgerlichem Gesetzbuch erwartet werden, dass es in der Schulzeit tgl. 3 und in den Ferien 6 Stunden im elterlichen Anwesen hilft.


    Zu einer Reha kann Dich niemand (auch der MDK nicht) zwingen, wenn Du berentet bist. Vorschlagen kann man es aber. Wenn Du im Krankengeldbezug bist hast Du eine Mitwirkungspflicht, dann wird es schwieriger.


    Man kann darüber denken wie man will, aber so ist die Rechtslage. Ich habe mal auf die konkreten Paragrafen verzichtet, weil der Text sonst unlesbar wird.


    Susi

  • Hallo Susi,


    Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Da ich nicht berentet bin und somit im Krankengeld stehe, muss ich dazu beitragen zu genesen. Stelle ich mir interessant vor, wenn ich palliativ behandelt werde und ich laut Onkologen nicht in meinem Beruf arbeiten darf. Ich werde heute Nacht in mich gehen und meinen Metastasen mitteilen dass sie gehen müssen und meine Berta bitten doch endlich zu auszuziehen. 🤭


    Das mit meiner Tochter schockt mich schon, wo ich doch dachte Kinderarbeit ist verboten. Das sie kleinere Aufgaben übernimmt ist keine Frage. Erstaunlich dass auch die Dame der Krankenkasse am Telefon sagte, eine 12 jährige hat nicht die Aufgabe zu putzen. Aber egal, ich bin gewappnet und mache mir Gedanken ob ich das jetzt weiter verfolgen werde.


    Dir auf jeden Fall noch einmal herzlichen Dank ❤️


    LG Sabine

  • Also, dass ein 12 jähriges Kind 3 Stunden täglich im Haushalt helfen kann laut Gesetz, halte ich für eine falsche Aussage. Ab dem vollendeten 14.Lebensjahr sind es bis 7 Stunden wöchentlich.

    Ich wünsche dir, dass ihr eine Lösung findet und du und deine Familie entlastet werdet.

  • Könntest du vielleicht privat eine Haushaltshilfe nehmen, die vielleicht zwei Mal in der Woche kommt! Wegen der Pflegestufe solltest du unbedingt in den Widerspruch gehen. Und du solltest genau aufschreiben, daß du a) palliativ bist und dann genau aufzählen, wo du Hilfe brauchst. Z. B. beim Einkaufen, beim Kochen, saugen, putzen, körperlicher Arbeit. Wenn du die Zeiten zusammenrechnest, kommst du täglich bestimmt auf zwei oder zweieinhalb Stunden, und das müsste für die Stufe eins reichen. Ich drücke dir die Daumen.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Ach so, du musst mindestens bei zwei Verrichtungen bei der körperlichen Pflege benötigen. Vielleicht kannst du nicht alleine in die Badewanne oder kannst nicht alleine duschen. Nur so als Denkanstoß...

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Selbst bei Pflegegrad 1 steht dir der Entlastungsbbetrag von 125€ zur Verfügung, der z.B. für eine Haushaltshilfe genutzt werden kann.

    Beim ausfüllen des Fragebogens solltest du wirklich überlegen, was du kannst und was nicht.

    Mein Sohn hat das Asperger Syndrom und Pflegegrad 3 und geht selbstständig aufs Gymnasium.

    Warum solltest du dann nicht wenigstens Pflegegrad 2 bekommen?