Umgang mit Tod und Trauer hier im Forum

  • Ich bin mir bewußt, daß mein Leben endlich ist. Mich macht der Tod recht betroffen und hilflos. Ich würde am liebsten alle nur drücken wollen. Doch das ist nicht meine Aufgabe. Es reißt ein Loch. Ich weiß bei von lieben Bekannten, Freunde und mir selber. Man will helfen und unterstützen, kann man nicht. Weiß nicht wie. Das ist das schwierige.

  • Sylvie


    Du weißt nicht wie? Einfach "da sein", sich immer anbieten. Die Trauer muss natürlich jeder mit sich alleine verarbeiten, aber den Weg, denn kann man etwas abmildern. Viele wollen reden, auch wenn es immer wieder dasselbe ist. So wird es verarbeitet und mit jedem ausgesprochenen Mal wird es weniger schlimm.

    Es lebt nur der, der lebend sich am Leben freut. -Menander der Athener


  • Ich denke auch, da sein, seine Hilfe anbieten, nicht enttäuscht sein, wenn sie nicht angenommen wird, gut beobachten und zuhören.

    Liebe Grüße

    Jutta


    Ich habe alle Sinne beisammen, Blödsinn, Schwachsinn, Unsinn, Wahnsinn.

  • Früher fand ich „Herzliches Beileid“ immer als Floskel und hab versucht, mich davor zu drücken, es auszusprechen. Als meine Mutter starb, war ich sehr überrascht, wie wohltuend diese Worte sein können. Vor allem, dass jemand mich anspricht und nicht drum rum redet (wie ich früher).

  • SaDe hat es für mich perfekt auf den Punkt gebracht:

    „Es war soviel leichter im Land der Ahnungslosen …“


    „Schwarmwissen“, tja, die Frage, sollte man jemand drängen, den Ärzten auf die Füße zu treten und mehr Untersuchungen oder andere Therapien einzufordern - oder sollte man eher zu Ruhe und Besonnenheit und noch etwas Abwarten raten - das ist für mich immer öfter eine echte Gradwanderung. Und es wird nicht leichter, tatsächlich tue ich mich immer schwerer damit … obwohl ich grundsätzlich versuche klarzustellen, dass etwas meine persönliche Meinung ist, etwas ist was ich für mich entscheiden würde …

    Jedes kann richtig oder falsch sein, und wie Erna66 schrieb, wir sind nun mal keine Ärzte und haben meistens keine wirklichen Kenntnisse über die jeweilige Person.


    inci , ich wünsche Dir alles Gute. Und einen leichten Weg.

  • ich sehe das auch wie KatzenMom 64 ..


    Man kann halt nicht in jemanden hinein sehen..


    Ich persönlich habe mich, als meine beiden Eltern todkrank wurden, ab einem bestimmten Punkt von diagostischem und therapeutischem Aktionismus gelöst.

    Die entscheidende Frage war, ob denn diese oder jene Maßnahme tatsächlich einen Benefit erbringt, oder ob es das Leid verlängert und das unvermeidliche Sterben belastend hinauszögert.


    Es gab so einen Point of no return, an dem wir wussten, dass es keine Rettung mehr gibt.

    Es ging dann um Schmerzfreiheit, Ruhe, Atmen können.

  • Hallo,

    Vielen Dank für die guten Gedanken und Wünsche.

    Momentan bin ich getrieben. Meine Mutter ist letztes Jahr nach langer Krankheit ganz ruhig und selbstbestimmt durch Sterbefasten aus dem Leben gegangen. Sie wollte schon seit Jahren nicht mehr leben. Ich habe diese letzte Phase durchaus als gut erlebt, auch, weil ich endlich meinen jahrzehntelangen Groll überwinden konnte.

    Obwohl ich seit über fünf Jahren mit Metastasen lebe, hatte ich sogar noch vor, mit meinem Mann, der in 14 Tagen in Rente geht, in unsere Heimatstadt zu ziehen, obwohl es mich weniger dorthin zieht als ihn.

    Dann bekam ich im letzten November den Befund, dass ich jetzt auch noch Bauchfellmetastasen habe. Kaum erfolgversprechende Therapien. Chemo paclitaxel plus avastin. Meine Leber, seit drei Jahren dank Caelyx, metastasenfrei, hat total gestreikt. Sonst alles immer einigermaßen vertragen. Am Mittwoch wird eine neue CT gemacht, Montag dann Befundbesprechung bei einem neuen Onkologen, den ich zwei Mal gesehen habe, dem ICH immer sagen muss, was los ist, weil er meine Riesenakte offensichtlich noch nicht gelesen hat. Mein alter Onkologe ist in Rente.

    Wenn ich den Befund weiß, entscheide ich nochmal neu, ob ich mir einen Umzug tatsächlich noch zumute. Mein Befinden ist an manchen Tagen schlecht, Bauchschmerzen usw., aber manchmal auch fast normal. Psychisch rauf und runter. Freunde und Freundinnen hab ich richtig gute, ohne die ich die letzten Jahre nicht so gut hätte leben können. Dafür bin ich dankbar, natürlich auch für meinen Mann und meine Familie. Und für dieses Forum auch. Ich kann mich nur schlecht einbringen. Die traurigen Geschichten beschäftigen mich sehr und lange.

    Danke für die Aufmerksamkeit- ist ja ganz schön lang geworden...

    Liebe Grüße, inci

  • Liebe inci ,

    das ist doch eine gute Strategie. Warte CT und Besprechung erst mal ab und entscheide dann ganz in Ruhe.


    Schön dass Deine Freundinnen, die Familie und Deinen Mann hast, die Dich unterstützen. Das ist ja immer das wichtigste.


    Bei meiner Mutter war es so ähnlich. Sie wollte nach langer Krankheit einfach nicht mehr und wir und auch der Hausarzt haben das akzeptier. Wir haben es ihr so schön und schmerzfrei wie möglich gemacht und haben sie gehen lassen. Sie hatte dann einen ganz friedlichen Ausdruck auf Ihrem Gesicht, als sie gegangen war. Das war für meine Schwester und mich sehr tröstlich. Anders als meine Vater, der plötzlich und unerwartet im Krankenhaus starb und irgendwie einen sehr angestrengten Ausdruck hatte, als er gestorben war und wir uns von ihm verabschiedet haben. Von daher wünsche ich jedem von uns (wenn es möglich ist) einen selbstbestimmten Weg zu gehen 🙏!


    Alles Liebe für Dich 🥰

  • Ein guter Freund ist gestorben. Er war 76 und Corona und eine Lungenentzündung haben ihn geschafft. Seine Frau starb vor zwei Jahren. Am Tag, als ich es erfahren habe lief ich mit Hund eine schöne Baumallee längs. Das Sonnenlicht brach sich zwischen den Blättern. Es war eine fast magische Stimmung. Und ich hatte auf einmal ein Bild vor Augen, wie sich die beiden endlich wiederhaben, zusammenstehen und mir zulächeln mit der Botschaft, es ist alles gut so. Ein sehr schöner Moment, der mich seitdem begleitet und mir auch eine innere Ruhe schenkt