Beiträge von camino2013

    Sorry für die vielen Fehler. Ich muss mich noch mit meiner Diktierfunktion (ipad) anfreunden. Sie versteht wohl nur teilweise Schwäbisch und vor allem Fragezeichen scheinen ein Problem zu sein...

    Hallo Wolke,


    bei uns im Krankenhaus gab es mehrere Möglichkeiten, an Bücher zu kommen. Ich habe mir nie eigene Literatur mit. Wenn es mir nicht übel war, kam eine Seelsorgeschwester und ein Besuchsdienst ans Bett. Da mein Krankenhaus sowohl über einen kleine Bibliothek als auch ein Regal für Bücherspenden hatte (dort konnte man für 50 Cent oder freiwillig auch mehr Bücher kaufen). Ich habe mich immer überraschen lassen, was die Damen mir mitgebracht haben. Als es mir besser ging und keine Leukogefahr bestand, bin ich auch selber da hin und hab mir aus dem Bauch heraus, etwas besorgt. Meist hatte es mit meinen Gedanken im Bett zu tun, mit meiner Traurigkeit, was auch immer. Einmal habe ich einen regelrechten Glücksgriff gemacht und in einem Buch von 1952 zwischen den Seiten ein gepresstes, vierblättriges Kleeblatt gefunden. Das hat mir irgendwie gutgetan. Schöne Musik hören hat mir auch toll geholfen. Radio und Fernseher wollten ich nie hören und sehen. Ich war auch meistens in einem Einzelzimmer und ich habe viel nachgedacht, natürlich nur, wenn es mir gut ging. Dann habe ich mir über die Handynotizfunktion oft Gedanken notiert. Einfach Listen erstellt. Warum es sich eigentlich lohnt, zu überlegen. Klar will das jeder, aber warum eigentlich. Denke nach und liste jeden einzelnen Grund auf. Diese Listen sehe immer immer mal wieder an, wenn es mir wieder schlecht geht. Dann: Was will ich unbedingt noch erleben, machen, tun? Wer ist mur wichtig im Leben und warum? Liste alle Namen auf. Du wist sehen, dass Du damit eine Weile beschäftigt bist und Dir warm ums Herz wird. Liste Deine Fehler auf, das ist auch ein Ansatz, wenn auch kein so erbaulicher. Was machst Du eigentlich gerne. Was möchtest Du schönes tun, wenn Du aus dem Krankenhaus entlassen wirst. Auch weinen hat mir geholfen, in der Krankenhauskapelle oder im Zimmer. Vielleicht konnte ich Dir ein wenig helfen. Lg camino

    Liebe Runde,



    der Thread hat mich jetzt angesprochen. Es sind wunderbare Statements dabei und man merkt, dass diese Statements aus dem Herzen kommen und nicht einfach so hingetippt wurden. Ich hatte fürchterliche Angst nach der Diagnose. Eine Angst, die ich so noch nie im Leben gespürt habe. Angst gemischt mit Entsetzen. Für einige Monate habe ich schonmal in Kenia gearbeitet, auch da hatte ich Angst, in Nairobi allein unterwegs zu sein. Dann hatte ich oft Angst um andere Menschen, Angst vor dem Zahnarzt :rolleyes: , Angst vor Uniprüfungen. Aber die Angst, die ich die Tage nach der Diagnose verspürt habe, ging bis auf den Seelengrund hinab. Und ich glaube, Ihr alle kennt das! Die Seele schmerzt und der Geist schreit auf ICH???



    Es wird Euch jetzt erstaunen, mich selbst auch, dass ich Mitten in der Chemo keine Angst mehr vor Krebs habe. Für mich völlig unverständlich habe ich nur noch vor den Chemos große Angst. Lachen ist an dieser Stelle nun erlaubt 8o . Vielleicht liegt es daran, dass ich keine Angst vor dem Tod habe, nur vor dem Sterben an sich. Das kann schnell und langsam erfolgen und keiner will langsam. Als ich die Diagnose bekam, habe ich immer in Kirchen (das war mein Rückzugsort) weinen müssen, bis ich mir eines Tages mein eigenes Bild vor Augen geführt habe: Was sah der liebe Gott da immer? Eine zutiefst verheulte Frau mit anklagenden, flehenden Augen, immer mit der Bitte wieder gesund zu werden, und sowieso immer mit der Frage WARUM??? Jedes Mal. Und dann habe ich mich gefragt, wer bin ich überhaupt im Vergleich zu anderen Menschen? Halte ich mich für so wichtig, um ein Anrecht darauf zu haben, ein gesundes und völlig glattes Leben bis ins Alter zu führen? Halte ich mich ernsthaft für besser als all die 70000 Brustkrebserkrankungen im Jahr in D, als all die Menschen, die vor mir schon an Krebs erkrankt sind, als Ihr? Nee, jeder Mensch ist gleich wert (vor Gott). Ab da war mit den "Reklamationen" an meinen Schöpfer Schluss. Jetzt heule ich nur noch nach den Chemos und formuliere vorab meine Bitten an den Herrgott vorsichtiger: Er solle mich doch wenigstens gut beschützen, wenn die Chemo in mir wütet. Auch hier dürft Ihr wieder lachen! Ich bettel nicht mehr um Heilung. Für mich hat das Leben einen Sinn, ich bin sinnvoll und gewollt, dann hat auch meine Erkrankung einen Sinn.



    Das Sterben gehört nunmal zum Leben dazu. Das hört in unserer Gesellschaft nur niemand gerne. Es freuen sich immer alle, wenn ein Baby geboren wird. Wenn ein geglücktes Leben zu Ende geht, sollte man sich auch eigentlich freuen. Macht hier nur keiner, was ich schade finde. In Afrika ist das Lebensende viel unkomplizierter. Doch was ist ein glückliches Leben? Es kann kurz und lang sein. Viel schlimmer ist doch ein langes, unglückliches Leben?! Die Lebensdauer ist wohl nicht so der alleinige Faktor...



    Eine Frau in meinem Alter (39) in Kenia mit der gleichen Diagnose (sie würde ja niemals eine Diagnose bekommen) würde an dieser Erkrankung irgendwann sterben. Wir alle leben deswegen in einem wunderbaren Land mit guten Heilungschancen. Allein wegen dieser imaginären Frau in diesem Entwicklungsland, fühle ich die Verpflichtung, aus dieser meiner Krankheit heraus etwas Gutes entstehen zu lassen. Egal was es ist, ob eine Einstellungsänderung, eine Lebensumstellung, andere Gedanken, andere Sichtweisen, konkrete Aktivitäten...mir wird durch Zufall, weil ich nunmal an diesem Ort auf die Welt gekommen bin, trotz schwerer Erkrankung ein Heilungschance mit auf den Weg gegeben. Ob ich nun nicht mehr so viele Jahre vor mir habe, oder noch mehr: Ich kann zufriedener von dieser Erde gehen, wenn ich diesen Einschnitt im Leben nutze. Meiner Meinung ist ein Anschluss an die Zeit vor der Diagnose eh nicht mehr möglich. Diagnose, Op, Chemo, Bestrahlung, das formt einen so, dass man an sein früheres Leben eh nicht mehr anknüpfen kann. Anders, verändert weitergehen, besser weitergehen, sinnvoller weitergehen, bewusster weitergehen bis zum Ende unserer Tage. Wie jeder Mensch auf Erden, nur haben wir das früher als andere Menschen begriffen, begreifen müssen. Das ist die nämlich die große Chance dieser vermaledeiten aus der Reihe tanzenden, verrückten Zellen. Buen Camino!

    Sport ist wichtig, mich hat der Sport aber nicht vor der Diagnose verschont. Während der Chemo funktioniert bei mir kein Sportprogramm, was sich auf mein eh schon angeschlagenes Wohlbefinden negativ auswirkt. Spazierengehen ist zehn Tage nach der Chemo drin, ebenso Radfahren zum Markt oder Supermarkt. Aber ein Ausdauertraining (Joggen, oder langes Wandern) geschweigedenn Muskeltraining wie vor der Diagnose funktioniert bei mir während den Chemo null.


    Mich würde Mal interessieren, wie viele Mädels während der Chemo und Bestrahlung noch joggen können oder konnten? Manche einschlägige Literatur suggeriert einem, dass man fest jeden Tag joggen kann 8o . Ein uns bekanntes Superweib hat die Chemo mit einem Halbmarathon beendet. Also das ist mir echt ein Rätsel. Ich pfeife in der zweiten Woche nach der Chemo aus dem letzten Loch, wenn ich nur Treppen steigen muss...Unter Joggen verstehe ich übrigens etwa 45 Minuten oder darüber. Huhu - wer hier ist dazu noch fähig und hat kein EPO bekommen, grins? Camino

    Oje, ihr Mädels,


    Erst einmal, dass was Diana erzählt, kann ich alles bestätigen, allerdings wolte ich das nicht so blumig ausschmücken. :DMeine erste EC- Chemo habe ich gut mit MCP über die Bühne bekommen. Nummer 2 und 3 haben absolute Übelkeit mit sich gebracht. Ich bin freiwillig ins Krankenhaus trotz Em...und Ondans...Viele denken jetzt: Oje Krankenhaus! Ich möchte dafür mal eine Lanze brechen. Denn die Infusionen über den Port zwei Tage lang bringen einen wieder auf die Beine. Die Chemo muss ja ausgeschwemmt werden, wenn man es aber nicht mehr schafft, wegen der Übelkeit viel zu trinken, kommt man in einen Teufelskreis. Die Übelkeit hält länger an, weil man es nicht schafft, das Zeug über die Nieren loszuwerden. Über die Infusionen kann man ersten toll ausschwemmen und man bekommt noch Nährstoffe über Fruktose- und Glukoseinfusionen. Der Druck, etwas essen zu müssen, ist also auch weg. Zu mir sagte eine Ärztin: Wenn Sie nicht essen können, macht das auch nichts. Fangen sie langsam wieder an, wenn es Ihnen besser geht.


    Deswegen aus meiner Erfahrung: Wenn man in den ersten Tagen nach EC aufgrund Übelkeit und Inappetanz weniger als einen Liter am Tag trinken kann: Keine Scheu vor einem Anruf in der Chemoambulanz. Man muss nicht immer stationär aufgenommen werden, die Ambulanz selbst kann Infusionen geben. Ich selbst war aber regelrecht froh, stationär wieder aufgepäppelt zu werden. Mir hat das sehr geholfen und beim dritten Mal stand ich frühzeitig auf der Matte. Es wurde nicht so schlimm wie bei Nummer Zwei. Bei Nummer 4 war ich endlich gut auf Eme... und Dexa eingestellt und ich hatte während der Medikamenteneinnahme gar keine Übelkeit. Trotzdem kam ich am zweiten Tag auch mit dem Notarzt ins Krankenhaus. Ich hatte Beklemmungen im rechten Brustkorb samt Atemnot. Im Krankenhaus wurde nichts organisches festgestellt, obwohl die Beschwerden noch da waren. Es war wohl eine Reaktion auf die Chemo, die laut der Ärzte häufiger vorkommt, wie auch Dianas Bericht zeigt. Diese Beklemmungen sind erst am 6. Tag komplett verschwunden, die Angst davor, dass sie wiederkommen, habe ich noch. Ich stehe ebenfalls kurz vor den wöchentlichen 12 Taxotere Chemos. Alle Ärzte, die an meinem Bett standen, meinten, dass die Taxotere weekly Chemos viel besser verträglich wären als die EC. Ich solle mich freuen, dass ich die schlimmere Hälfte rum hätte. So ganz überzeugt bin ich ja nicht, aber gut. Positiv denken ist ja hier im Thread unser Schlachtruf, gell??


    Außerdem werde ich nicht müde, zu betonen, dass meine und Dianas Erfahrungen nicht die Regel sind. Jeder Chemopatientin kommt wahrscheinlich der Satz "jeder Körper reagiert anders" schon zu den Ohren raus. Er stimmt aber. Ich für meinen Teil, hätte nämlich gedacht, dass ich aufgrund meiner Fitness und der körperlichen Konstitution gut durch die Chemo komme. Es hat lange gebraucht, zu akzeptieren, dass das gar nichts mit der Chemo zu tun hat und dass es keine persönliche Schwäche, sei es körperlich oder mental, von mir ist, wenn nur ich diese elende Übelkeit habe, andere Chemopatientinnen hingegen gut durchkommen. Es hängt nicht einmal am Alter oder ob man viel an der frischen Luft ist oder nicht. Mein Körper hat sich nunmal mit jeder Faser gegen EC gewehrt, das muss ich einfach schlucken. Die Krankenschwestern, die ja jede Woche die Mädels aus der Ambulanz bekommen, meinten, dass es einfach so ist, wie es ist. Ich kam mir nämlich immer so furchtbar memmig vor, so, als würde ich die härteste Prüfung meines Lebens mit "mangelhaft" bestehen. Vielleicht kennt Ihr das??? Jedes Mal habe ich mir vorgenommen: Die EC Chemo kann mich Mal, das nächste Mal bin ich stärker. Trotzdem hat EC wieder gewonnen. Nach Toren steht es 3:1 für EC :cursing: , mal schauen, wie gut ich Fußball gegen Taxotere spiele. 8o


    An Sally: Mensch, jetzt geht es bei Dir rund. Ich denke an Dich. Auch, wenn Du ins Krankenhaus musst: Die helfen Dir da und Du wirst Dich bald besser fühlen. Ich war da schon viele Tage und die Schwestern waren so nett. Wir Chemomädels bekommen meist auch Einzelzimmer, wenn es geht. Vielleicht stellen die Dich auf wöchentliche Chemos um? Liebe Grüße und alles Gute, Camino

    Hallo Danker27,


    also ich bin die Königin der EC-Chemos und war 3 von 4 Mal danach im Krankenhaus. Aber: Selbst bei mir ging es ab Tag 8 nach der dummen EC-Chemo deutlich aufwärts. Vom Chemotag bis zu Tag 7: Vergess die Woche! ist nunmal so. Ich habe in meiner Chemoambulanz aber auch Frauen getroffen, die Tag 5 schon ganz ordentlich fanden. Besorg Dir Eme.. und Zof... in Kombi gegen die Übelkeit oder Eme.. oder Dexam..... in Kombi. Damit hast Du den Chemotag und Tag 1 bis Tag 3 abgedeckt. Hat mir gut geholfen. Das letzte Mal wurde mir nur nach Absetzen dieser Medikamente von Tag 4 bis 7 übel. :( Ist immerhin besser als eine Woche mit dieser Übelkeit zu leben, nicht wahr??? Grüße, Camino

    Hallo Helly,


    das freut mich für Dich. Halte durch. Ich musste zu Beginnn auch zwei Mal am Tag Heparin spitzen, die Thrombose wurde aber schlimmer. Da ich zu dem Zeitpunkt bei 52 kg lag, war eine Erhöhung des Heparins nicht möglich. Bei mir hat dir Innere Abteilung im Krankenhaus, sprich die Venenspezialisten, entschieden, dass der Port raus muss. Die Vene war nach dem Port in Richtung Achsel auf 5 cm zu. Mein Arm wurde auch mit Port noch jeden Tag besser, weil sich kleine Umgehungskreisläufe bilden. Die Onkologin und die Gynäkologen waren gegen die Portentnahme, bekamen aber von der Inneren Abteilung gesagt, dass sie schuld wären, wenn die Thrombose gefährlich wird. Also kam der Port raus und nach der kompletten Auflösung der zweite rein. Die vierte EC Chemo habe ich dann zehn Tage später bekommen (also nach 31 Tagen statt nach 21 Tagen, was alles andere als optimal war. Was sagen denn die Ärzte zu Deiner Verzögerung? Bei mir setzte übrigens schon der Haarwuchs ein. Ich habe jetzt keinen Flaum auf der Birne, sonder richtige schwarze 3 mm lange Haare. Auch sonst am Körper kamen Haare :P, was bei der EC Chemo eigentlich ein Wunder ist. Zehn Tage mehr Pause und der Körper scheint der Meinung zu sein, Haare treiben zu müssen. Jetzt habe ich die vierte Chemo intus, die Haare fallen nicht aus, wachsen aber auch nicht mehr. Seufz, ich hoffe, dass sie unter Taxotere weekly wieder weiterwachsen...


    Ich drücke Dir ganz doll die Daumen, dass der Port bleibt, ich war nämlich am Boden zerstört, als er rausmusste... berichte uns weiter. Liebe Grüße, Camino

    Hallo Madita, hallo Helly,


    Die 4. EC und die zweite Portimplantation haben mich erst einmal außer Gefecht gesetzt, ich war wie immer im Krankenhaus...Erst einmal an Helly: Ja, so etwas kommt aus heiterem Himmel und ich bin froh über meine zuvor erfolgte Schilderung. Ich kann so gut verstehen, wie Du Dich fühlst. Es übersteigt die Nerven. Mittlerweile hast Du bestimmt Deinen zweiten Port? Ich habe mich gegen eine Vollnarkose entschieden, der erste ja unter Vollnarkose rein. Der Narkosearzt hat mich mit Dormicum zugedröhnt, ich war noch ansprechbar, nacher konnte ich mich aber an nichts mehr erinnern. War top! Der Port kam doch wieder an die gleiche Stelle, aber mit einem neuen Schnitt, was mich maßlos aufgeregt hat. Unter meinem Schlüsselbein habe ich jetzt zwei verheilende Narben. Zu Deiner Angst: Ich bin da auch durch. Aber denk daran, dass sich meine Thrombose unter Xarelto sehr schnell aufgelöst hat. Vor allem, wenn der Port draußen ist. Ich nehme das Medikament nun über einen Monat, zwei muss ich noch. Mir wurde gesagt, dass ich in dieser Zeit keine Thrombose am zweiten Port bekommen kann. das beruhigt mich etwas, ich habe natürlich jetzt auch ein bisschen Angst, dass sich alles wiederholt. Also halte durch! Wir beiden hatten eh schon so Pech, das geht jetzt gut aus.


    An Madita, danke, dass Du Dich erkundigt hast. Meine Chemoambulanz war der Meinung, dass sie alles über die Vene laufen lassen können, aber unter meiner Verantwortung. Und ich müsste mir vorher anhören, was die Risiken dabei sind. Ausschlaggebend war für mich, dass ich jetzt schon Probleme mit der wöchentlichen Blutabnahme habe. Und natürlich 12 Mal Taxotere. Hätte ich nur noch 4 Chemos alle 3. Wochen vor mir gehabt, ich hätte keinen Port mehr einbauen lassen. Deine aufmunternden Worte haben mir gut getan, auch wenn alles in letzter Zeit viel war. Ich will keine Komplikationen mehr haben und die zweite Hälfte der Chemozeit einfach mal gut überstehen...Liebe Grüße an Dich, Camino

    Hallo Ihr Lieben,


    Ich wollte mich jetzt nochmals zurückmelden, auch wenn es hier im Forum offensichtlich keine Frauen gibt, die vom Port Thrombosen bekommen haben. Also hier meine Erfahrung: Der 1. Port musste nach erst 9 Wochen wieder raus, weil die subclavia Vene und die Axilla Vene - beides die gleiche Vene, die nur anders genannt wird - auf 5 cm !!! zu war. Der Port war am Schlüsselbein, die Stauung aber davor. Am Schlauch selbst waren kleinere Thromben. Gemerkt habe ich das zuerst an Beklemmungen im rechten Brustkorb auf der Portseite. Einen Tag zuvor dachte ich, ich hab mir irgendwie den Arm oder die Schulter beim Schlafen verrenkt. Zum Glück war ich eh schon stationär aufgenommen, weil die EC Chemo schlimme Übelkeit erzeugt hat. Zu den Beklemmungen kam ein dickerer, bläulich verfärbter Arm mit Muskelschmerzen. Ich bin 39 und bewege mich viel bzw. habe immer im Leben Sport gemacht. Das Wort Thrombose war mir bisher fremd. Mit so etwas ist echt nicht mehr zu spassen und jede von Euch mit Port sollte bei diesen Anzeichen sofort reagieren. Ich war 10 Tage damit im Krankenhaus, erst wurde 2 Mal am Tag Heparin gespritzt, dann der Port rausgenommen, weil man davon ausging, dass er dies induziert hat. Für 3 Monate muss ich Xarelto nehmen. Heute hatte ich eine Sono und bin sehr froh, dass sich die Thrombose, 3 Wochen nach dem Auftreten dieser Beklemmungen, wohl aufgelöst hat. Der arzt war ganz begeistert und ich sowieso. Mit einer freien Vene fühle ich mich von einer zentnerschweren Last befreit. Weil ich zwischen der 3. und 4. EC Chemo lag, wurde die 4. jetzt um 8 Tage verschoben. In drei Tagen soll ich den 2. Port in den linken Unterarm bekommen, aber nur weil die Thrombose sich verflüchtigt hat und es keine Risiken mehr gibt. Den Blutverdünner muss ich trotzdem über 3 Monate nehmen, er soll eine neue Thrombose am 2. Port verhindern. Hätte die Thrombose heute noch Bestand gehabt, so hätte ich diesen Arm nicht für die Chemos ohne Port verwenden können. Die EC Chemo ist, wenn sie daneben läuft, der Killer. Auch ohne Paravasat verursachen sie Venenentzündungen über due Armvene. Das heißt, ich hätte erst einmal diese Chemo und die darauffolgenden 12 Taxotere weekly Chemos samt Blutentnahmen über links laufen lassen müssen. Das funktioniert nicht, da ich links operiert worden bin. Mir wurden dort zwei freie Wächterlymphknoten entfernt.


    Vielleicht hilft meine Schilderung wenigstens anderen Frauen, die das lesen und sich vielleicht auch aus heiterem Himmel plötzlich mit einer Port-Thrombose konfrontiert sehen. Meine Angst war nämlich rießengroß, dass ich jetzt noch eine Lungenembolie bekomme. Also, wenn um den Port rum etwas komisch weh tut, nicht zögern. Dieses Teil kann auch Komplikationen auslösen, an die man gar nicht denkt und bei Venenthrombosen gilt wirklich schnelles handeln. Je schneller desto besser, erstens wegen der Embolien ubd zweitens erhöht man die Chance, dass sich die Thrombose über eine schnelle Therapie wieder auflösen kann.


    So, jetzt bereite ich mich auf Port Nummer Zwei vor und hoffe, dass er wenigstens 3 Monate und 3 Wochen keine Zicken macht, nach der letzten Chemo kommt er schleunigst wieder raus, damit ich diesen dummen Blutverdünner wieder loswerde. Viele Grüße an Euch alle von Camino


    P.S. Alle Mädels mit Dritt- und Viert-Port können sich gerne bei mir melden, wir können einen Portfanclub aufmache?!??
    Spaß beiseite 8o

    Hallo Sophie,


    auch von mir ein herzliches Willkommen. Ich bin 39 und reihe mich hier unter die u40-Jährigen ein. Wie alle hier dachte ich: Was, ich bin doch zu jung für so etwas! Und allein bin ich mit dem Problem auch. Bis ich in der Chemoambulanz das erste Mal war. Sogar ziemlich viele sind um die 40 und einige um die 30. Du bist also keineswegs allein.Ich selbst bin kein gutes Beispiel für Nebenwirkungen, aber die meisten Kolleginnen in meiner Ambulanz vertragen das gut. Ich habe sogar den Eindruck, dass die Mädels um die 30 das am besten wuppen. Ich hatte schon vor der Chemo immer Magen/Darmgeschichten, wenn ich nervös war oder Probleme hatte. Eine Achillesferse hat jeder Mensch.Die EC Chemo wirkt sich deshalb dementsprechend bei mir aus. Andere Frauen haken die in 3 bis 4 Tagen ab. Und die erste Chemo vertragen die meisten gut. Also, keine Bange. Auch ich hab Op, Chemo, Bestrahlung und Antihormontherapie zu absolvieren. Wir sitzen alle im selben Boot!!!


    Hallo Sally,


    wir zwei dürften zeitlich fast gleich auf sein. Wie weit bist Du mit EC? Auch ich bin im September fertig mit den Chemos.


    Liebe Grüße, Camino

    Hallo Mädels


    Nach 3 EC Chemos ist bei mir der Notstand ausgebrochen. Der Port, erst seit 9 Wochen drin, hat eine dicke Thrombose verursacht. 10 Tage Krankenhaus liegen hinter mir und ich habe den Port jetzt verloren. Seit einer Woche ist er draußen und ich mit den Nerven fertig. Die Vene ist komplett zu und ich muss für 3 Monaten Xarelto nehmen.


    Hat hier jemand auch eine Thrombose vom Port bekommen? Hat sie sich wieder aufgelöst?


    Viel schlimmer ist jetzt, dass ich eigentlich noch eine EC und 12 Taxotere wöchentlich vor mir habe. Die Onko hat gesagt, dass EC nicht über die Armvene laufen sollte. Der rechte Arm ist wegen der Thrombose angeschlagen, links wurde ich operiert. Trotzdem drängen die Onkos auf einen 2. Port am linken Unterarm, vorher war er rechts am Schlüsselbein. Ich kann aber nervlich nicht mehr. Vor einer Woche Vollnarkose und frischer Schnitt, jetzt noch Mal Vollnarkose und ein zweites Mal Portschmerzen und frische Wunde??? Dann zur Krönung eine EC, die ich absolut trotz Emend in Kombi nicht vertrage. Sorry für das negative Statement, aber ich gehöre zu den Frauen, denen es nach EC ab dem 2. bis zum 6./7. Tag ganz elend geht. Die 4. EC wurde jetzt um 4 Tage verschoben, morgen in einer Woche ist es soweit.


    Gibt es hier Mädels, die die 12 Taxotere OHNE Port samt Blutabnahmen überlebt haben? Frau X aus S, bitte bau mich auf! Eine Möglichkeit wäre nämlich, die 4. EC ohne Port zu canceln und mit Taxotere weiterzumachen.


    Grüße von camino, die gerade vom rechten Weg abgekommen ist.

    Liebe Nicole: Herzlichen Dank für Deine Zeilen. Gerne möchte ich mehr über Deine derzeitige Lebenssituation erfahren. Es tut mir sehr leid für Deinen "Hau weg", aber ich bin fest davon überzeugt, dass man diesen "Hau weg" über die Jahre auch überwinden kann - natürlich vorausgesetzt, dass man gesund bleibt. Hattest Du einen Rückfall? Ich bin auch nicht mehr ich selbst, die Psyche ist seit der Diagnose schon zweimal zusammengekracht. Das kann man nicht anders mehr ausdrücken. Einmal hatte ich eine Nacht und einen Vormittag das erste Mal in meinem Leben Angstzustände. Nicht Angst - regelrecht unkontrollierbare Zustände. Ich kann manchmal nicht mehr unterscheiden, ob ich Angst vor mir habe - weil ich mich nicht mehr erkenne, weil ich so reagiere, wie noch nie in meinem Leben, weil ich mir fremd bin, weil ich mir selbst nicht mehr traue, etc - oder vor meiner Krankheit. Mein "gleichmäßiger Lebenspendel ist außer Takt geraten" und ich suche wohl einen neuen Takt, und da gibt es plötzlich ganz fiese Ausschläge. Manchmal beruhigt mich beten. Aber das habe ich vorher schon gemacht. Gestern vor der 1. Chemo wurde ich überraschend ruhig: Ich habe mir vorgestellt, dass ich beschützt bin, egal was jetzt passiert. Während dem Portanstechen und als das E in mich hineinlief habe ich wieder Panik bekommen, danach habe ich mich wieder beruhigt. Darauf war ich stolz. Das erste Mal konnte ich mich vor der Chemo seit der Diagnose etwas selbst beruhigen. So, das war es erst einmal, bin noch etwas skeptisch, was die Chemo heute mit mir macht. Gestern habe ich abends Migräne bekommen und eine latente Übelkeit hat sich eingestellt. Konnte nur einen halben Apfel essen. Heute geht es bisher - habe nur Angst, dass es "irgendwie losgeht". Ganz liebe Grüße, Camino


    Liebe Madita: Auch Deine Zeilen haben mich gerührt. Dann warst Du ja noch jünger als ich. Aber ob Mitte 30 oder 39 macht den Kohl auch nicht mehr fett. So eine Diagnose ist nie im Leben schön, aber ich finde unser Alter, nicht weil wir so jung sind, sondern wegen den künstlichen Wechseljahren so furchtbar. Bei mir soll nach Chemo und Bestrahlung Tamoxifen für 5 Jahre folgen und ich habe große Angst, dass ich nicht mehr die Frau sein werde, wie ich vor der Diagnose war. Keine Periode mehr, ein anderes Körpergefühl, eine andere Psyche - Du lieber Himmel. Wenn ich noch einen Wunsch hätte: Ich wäre lieber Mitte 40 daran erkrankt. Ich meditiere yogistisch und nach einer christlichen Kontemplation. Also normalerweise - seit der Diagnose nicht mehr, seufz. Visualisierung mache ich auch - wenn gar nichts anderes mehr geht, gerne auch den CDs von Else Müller. Wie kommst Du denn mit Deiner Mutter unter einem Dach klar? Für mich ist das eine ganz neue Situation, ich bin mit 20 ausgezogen zum studieren und seither hatte ich Wgs und dann natürlich eigene Wohnungen. Aber Chemo ganz alleine - das wäre für mich ein Horror ohne meine Eltern. Wenn Du Fragen zum Jakobsweg hast: Ich werde Dir sehr gerne alle beantworten. Ich versuche seit gestern, jeden Tag eine Etappe zu visualisieren - es lenkt mich ein wenig von meiner Chemo-Angst ab. Dazu höre ich die Lieder, die ich auf dem Camino auf dem Handy hatte - und manchmal muss ich lächeln dabei, manchmal auch (leider) weinen. Was ist eine Body-Scan-Visualisierung? Ist das wie die Endentspannung beim Yoga, wo man alle Körperteile noch einmal duchgeht? Noch zu Deinem wunderbaren Untersatz von Franz von Assisi: Ich schätze den hl. Franziskus sehr und habe mich länger mit ihm auch befasst (eine Großtante von mir ist Franziskanerin). Jetzt mit dem neuen Papst kam das Thema wieder bei mir auf und wenn alles rum ist und ich "als gesund gelte" möchte ich den Fraziskusweg in Italien gehen. Er ist "nur" etwa halb so lang wie der Camino, und die 400 km kann man in drei Wochen gehen. Allerdings muss da vorher der Port raus - ich kann mir nicht vorstellen, einen 7,5 kg Rucksack darauf zu schultern, seufz. Franziskus Naturverbundenheit und seine Radikalität haben mir immer gefallen. So - jetzt aber - wenn Du magst, erzähl noch etwas von Dir - Dein Post hat mir sehr geholfen - ich fühle mich nämlich verstanden. Einen lieben Gruß und buen camino!

    Liebe Phönix, liebe Gabriele: Eure Zeilen haben mir sehr geholfen. Vielen Dank dafür. Offensichtlich muss man mehr die positiven Seiten daran sehen. Das fällt oft schwer, wenn man gerade in der Phase ist und man, nicht weiß, ob er eine Hilfe ist. Und meine Venen sind noch topp (muss aber 4 Mal Ec und 12 Mal Taxotere weekly machen) Als ich beim Arzt war und das Pflaster runterkam, hatte ich echt einen Schock: Die Narbe ist gut 4 cm groß und alles war blau und gelb. Dazu die Schmerzen - aber natürlich nur bei Bewegung. Will hier keinem Bange machen. Aber: ab dem 3. Tag ging es jeden Tag etwas aufwärts. Ich war nur fürchterlich mit diesem Teil gestresst, weil gestern auch meine erste Chemo war. Und für alle nachfolgenden Mädels mit Angst: Die liebe Phönix und die liebe Grabiele hatten Recht!!! Selbst bei meinem geschwollenen Teil und dem noch miesen Anblick war das Anstechen nicht schlimm. Es hat nur kurz gepickst und halt gedrückt wegen dem Hämatom. Blut abnehmen über die Vene ist aber viel schlimmer. Und dann hat alles wunderbar geklappt, man spürt gar nicht, wie die Flüssigkeit in einem hineinläuft. Und man kann toll Pipi machen. Ich war so glücklich über den Port, dass ich abends noch für ihn gebetet und in als Freund akzeptiert habe. Auch war ich einfach froh, dass er funktioniert hat. Das weiß man ja beim ersten Mal auch nicht. Auf der Seite schlafen geht nur auf der anderen Seite aber was solls. Das wird schon wieder. Also Daumen hoch für meinen Port.


    Liebes Julchen: Vielen Dank für Deine Antwort. Das mit dem Aussetzen der Schmerzmittel habe ich schnell aufgegeben. Aber seit Sonntag brauch ich jetzt definitiv keine mehr. Also habe ich Schmerzmittel für vier Tage genommen und einen Tag ausgesetzt. Hab gemerkt, dass ich damit besser schlafen und mich auch bewegen kann. Heute ist der Port eine Woche drin und es drückt halt nur manchmal und ich bekomme den Arm nicht nach oben über den Kopf. Teekannen und T-Shirt gehen schon wieder grins, allerdings mit komischen Verrenkungen. Wahrscheinlich hast Du den Port am Unterarm? Das wollte ich eigentlich auch, der Arzt meinte, dann wäre das keine Standard-OP mehr und dieses doofe Kabel wäre um ein Vielfaches länger. Er meinte: Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht (unter Schlüsselbein). Außerdem meinte er, dass am Unterarm bei mir wenig Fettgewebe wäre. Nunja, hab mich dann halt doch mit Bauchweh für das Schlüsselbein entschieden.


    An alle einen herzlichen Gruß von Camino

    Hallo Ihr Lieben!


    Aus aktuellem Anlass: mein Port kam am Dienstag dieser Woche rein und seither habe ich das Gefühl, dass da "etwas Schweres drin" ist. Noch ist ein großes Pflaster drauf, das heute nachmittag beim Hausarzt runterkommt. Außerhalb des Plasters sehe ich aber schon, dass ich schon da blaue Verfärbungen habe, wie ein flächiger blauer Fleck. Mir ist schon ganz bange vor der Pflasterentfernung und was ich darunter sehe. Hattet Ihr auch ein Hämatom und das Gefühl, dass die Stelle "schwer ist". Schmerzen habe ich keine, wenn ich mich nicht bewege. Bewegungen jedoch sind echt eine Herausforderung. Bis gestern Mittag habe ich noch Novalgin und Ibuprofen genommen. Heute ist Tag 3 nach der OP und es ist zumindest besser als am Tag der Op. Ich bin aber etwas irritiert, dass die Ärtzte immer so tun, als ob das eine Lapalie ist und dann wacht man nach der OP auf und die ganze Bereich ist ein Schmerz und ein Ziehen. Man kommt nicht mehr allein in ein Tshirt, kann keine Teekanne halten, nicht alleine den Kopf waschen etc. Und vor dem ersten Ansteche am Montag habe ich wirklich auch Schiss. Ich kühle 3 Mal am Tag und versuche nicht daran zu denken, dass da jetzt ein Fremdkörper in mir ist, dessen Kabel in einer Vene beim Herzen liegt ;( . Könnt Ihr mich irgendwie beruhigen. Wann merke ich dieses Teil nicht mehr??? Und habt Ihr Erfahrungen mit Sport? Diese Frage bezieht sich natürlich auf die Zukunft. Im Moment kann ich nicht einmal daran denken, jemals wieder Sport machen zu können...

    Liebe Gabriele: Ja genau, wie verhält sich mein Körper und was sagt dann die Seele dazu - das hast Du wunderschön auf den Punkt gebracht. Ich hoffe wirklich, dass ich mich ablenken kann und mich die Mädels dort auf andere Gedanken bringen. Danke für Deine Zeilen.


    Liebe Gerda: Lieben Dank für Deine Antwort. Wie bringe ich jetzt meinem Körper bei, dass er sich bitte bitte nicht mehr in Zukunft irrt? Wir Menschen irren täglich - und das ist normal, aber das liegt an unserem Geist und an unserer subjektiven Wahrnehmung. Und wir machen auch täglich Fehler. Mein wertvolles Körperchen soll sich aber, so Gott will, bitte nicht mehr so oft irren. Das macht mir angst. Wenn ich einen Fehler mache, dann kann ich mich bei dem anderen Menschen entschuldigen, ich habe jetzt das Gefühl, dass der Körper alleine agiert hat - ohne mich zu fragen. Und wieso habe ich nichts gemerkt davon? Und wieso hat das Dreieck Geist, Seele, Körper nicht mehr funktioniert? Sorry für diese Erklärungen, sie sind ein bisschen kompliziert, weil ich immer sehr viel im Leben nachdenke(n) muss. ?(


    Liebe Nicole: Ja, das klingt fast überraschend deckungsgleich. Ich füge noch etwas hinzu: Ich mag Hunde und habe den Wunsch schon viele viele Jahre auf meiner Silvesterliste gehabt. Nachdem ich hoffentlich alles gut überstanden habe, werde ich mir diesen Wunsch auch erfüllen. Nach Deinem Bild zu urteilen, hast Du einen? Mensch Du - arbeitest Du jetzt wieder und wieso geht es Dir denn noch immer nicht gut? Ich habe nach dem ersten Studium auch zehn Jahre gearbeitet und dann noch einen Master draufgesetzt, um mich neu und richtig beruflich zu orientieren. Ich habe vor drei Jahren die Reißleine gezogen und mit viel Risiko und Engagement dieses Studium gewagt. Alles lief super und als Dank "bei dem da oben" bin ich gleich nach der Abgabe der Masterarbeit in ein Kloster und dann auf den Camino. Voller Zuversicht kam ich nach zwei Monaten in Spanien zurück und habe die Bewerbungsphase gestartet. Und jetzt das. Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll und ich bin auf den heiligen Jakobus so richtig sauer. Und auf den da oben auch!!! Und auf mich auch: Für mich war immer mein Berufleben am wichtigsten und jetzt stehe ich schockiert da und merke, das mir das gerade nichts bringt. Ich bin auf Freunde und Eltern angewiesen und merke, dass ich mir für diesen eingetretenen Ernstfall nichts aufgebaut habe. Ich brauche das erste Mal Hilfe im Leben und habe das sofort gemerkt. Die Homepages der Brustzentren loben ihr Angebot immer in den Himmel: Wie ganzheitlich alles gehandhabt wird, wie toll die psychoonkologische Unterstützung ist. Das stimmt alles nicht! Ich fühle mich von den beiden Brustzentren allein gelassen und mir fehlt es an kontinuierlicher Unterstützung seit 8 Wochen. Diese Erstgepräche bringen null (außer die Medikamentenverordnung) - hinzu kommt, dass man vor Schock richtig sprachlos ist. Dein Satz "Es ist nichts mehr so wie es war" hat mich sehr berührt. Diese Erfahrung habe ich schon oft im Leben gemacht und als Aufmunterung an Dich: Manchmal merkt man, dass einem das Leben auch positiv formt. Als ich in Jean-Pied-De-Port den Jakobsweg begonnen habe, war ich eine andere Person wie die, die in Santiago ankam. Vor dem Zweitstudium war ich anders wie nach dem Zweitstudium und so weiter...Jetzt habe ich natürlich Angst, dass ich einen "Hau" weg bekomme und nie wieder unbeschwert und glücklich das Leben genießen kann. Ich habe schlichtweg Angst, dass ich ab jetzt mit 39 immer denken muss: Ohoh, dieser Augenblick ist zwar schön, aber diese ganze Katastrophe kann wieder kommen. Und diese Gedanken habe ich, obwohl ich einige Wochen vor der Diagnose begonnen habe, ZEN zu praktizieren. Die Angst schleicht in den letzten Winkel meines Daseins und ich hoffe wirklich, dass ichvon Euch Frauen da draußen wieder Kraft schöpfen kann. Geht diese Katastrophengefühl auch wieder weg??? Und wie lange hat das gedauert? Wie ist denn Deine persönliche Situation heute? Hat sich Deine neue Ausbildung irgendwie ausgezahlt?

    Erst einmal danke für die lieben Antworten und die Aufmunterungen. Das geht ja fix bei Euch. ;)
    In ein paar Tagen habe ich vielleicht auch die Feinheiten dieses Forums auf den Kasten und mich orientiert.


    An heidih57: Das schlimmste ist für mich, dass ich meinem eigenen Körper nicht mehr traue. Er hat mich immerhin noch trotz T2,G3 (Lymphknoten frei, keine Metas) nach Santiago gebracht. Und genau damit hadere ich so arg. Die schönen Bilder entwickeln derzeit keine Kraft.


    An Romy42: Hallo Du einen Tag ältere Neue. Du machst mir Mut, was hast Du denn für Deine Psyche konkret getan. Ich war sonst immer in der Lage, mich an meinem eigenen Schopf aus dem Dreck zu ziehen, aber nichts funktioniert bei mir mehr. Ich habe nicht Mal Lust mehr für Yoga und Meditation. Die Stille in mir drin ist nicht zum Aushalten. Es tut mir leid, dass Du auch große Schmerzen hattest. Mich schmerz "nur" meine Seele und aktuell der neu gelegte Port. Hatte vorgestern die 3. Vollnarkose in 2 Monaten.


    Am Flora: Ich hatte einen Krankenhauswechsel, weil ich für die Behandlung in das Haus meiner Eltern gezogen bin. Nach den Ops habe ich mir das erste Mal Hilfe von einer Psychoonkologin geholt. Leider führt man da nur Erstgespräche, so lange man im Krankenhaus ist. Sie hat mit Remergil verordnet, weil ich in so einem tiefen Loch festsaß und nicht mehr schlafen konnte. Jetzt hatte ich im neuen Krankenhaus wieder so ein Erstgespräch, aber diese Damen müssen einem auch liegen 8| Mein neuer Hausarzt und die neue Gyn konnten mir nicht wirklich bezüglich Psychoonkologen helfen. Die sind wohl meist an Krankenhäuser angegliedert. Freischaffende Onko-Experten gibt es wohl nicht so häufig...Auch weiß ich gar nicht, ob mir das hilft - hatte bisher vor der Diagnose keine Erfahrungen mit diesen Gesprächsmöglichkeiten, seufz.


    Einen schönen Abend an alle und einen lieben Gruß, Camino

    Einen schönen guten Tag zusammen,


    auch ich möchte mich kurz vorstellen: W, 39 Jahre alt und seit 8 Wochen weiß ich, dass ich Brustkrebs habe. Nach einer Horrorwartezeit von 9 Tagen wurde ich operiert, nach 10 Tagen ein zweites Mal. Vorgestern habe ich den Port bekommen und am nächsten Montag bekomme ich die erste Chemo.


    Wie geht es mir? Ich weiß es nicht, ich glaube, wie Euch allen da draußen. Der Schock sitzt immer noch tief und die Angst ist groß. Nach der Port-Op geht es mir schlechter als nach den zwei Brustops und jetzt wo es los geht, kriecht die Angst in mir hoch. Bisher war die Diagnose noch nicht konkret für mich, am Montag mit Beginn der ersten Chemo wird es das jedoch. Ich versuche, die Chemo und diesen schmerzenden Port als Verbündete zu sehen - scheitere aber kläglich. Vor der Diagnose war ich eine taffe Powerfrau, die jetzt zur Angsthäsin mutiert ist. Wem geht es auch so? Wer traut auch seinem Körper nicht mehr? Und wie bekomme ich Seele und Körper wieder zusammen, wenn die Psyche nicht mehr mitspielt? Ich habe es plötzlich mit einer Herausforderung in meinem Leben zu tun, für die mir die Werkzeuge fehlen.


    Was kann ich sonst noch sagen: Ledig, keine Kinder, nach einem Zweitstudium jetzt kalt in der neuen Bewerbungsphaser erwischt. Ich bin letztes Jahr den Camino de Santiago gelaufen (800 km) und muss jetzt mit einem ganz neuen Weg zurecht kommen, den ich mir nie "erträumt" hätte.


    Viele Grüße nach draußen!