Beiträge von wolke

    Ihr Lieben,

    ich komme gerade aus einem Lehrergespräch. Eigentlich hat sich nichts geändert, glaube ich. Aber durch meine Erkrankung ist alles irgendwie anders. Ich habe schon früher oft gelitten unter Menschen, die achtlos miteinander umgehen, Gefühle anderer durch Logik wegdiskutieren wollen... Heute ging es mir so, dass das ganze Gespräch didaktisch wunderbar aufbereitet war, in einem ruhigen, pädagogischen Ton vorgetragen aber nichts hat sich berührt. Ich fühle mich so seltsam leer. Während meiner Erkrankung durfte ich so viele Menschen treffen, wo ich das Gefühl hatte unsere Seelen berühren sich, es wird zugehört ohne zu werten und versucht dem anderen ja Liebe zu geben. Wisst ihr was ihr meine? Zumindest mir, ist das so oft so gegangen. Vielleicht weil alle so empfindlich sind?

    Ich bin jetzt drei Jahre nach Erkrankung und all die schwierigen Sachen und dauernden Ängste fehlen mir natürlich nicht, aber der wertschätzende Umgang miteinander, der besondere, feine Humor... So hat das ganze für mich zumindest auch etwas Schönes gehabt. Ich bin echt traurig, über all die harten Schalen, die manchmal unter pseudo-Eso-Gefühl versteckt werden oder unter pädagogischen Phrasen...

    Habt ihr eine Idee, wie man ein wenig von diesem Miteinander vielleicht in die Welt tragen könnte? Ein wenig von dieser Herzenswärme? Ich habe Angst, dass auch mir das verloren geht...

    Nachdenklich Eure Wolke

    Vielleicht noch zur Ergänzung - 3 Jahre nach Transplantation...

    Nun gelte ich ja aus "geheilt" aber meine Überwachung ist aufgrund meiner Krankheitsgeschichte doch noch sehr engmaschig. Manchmal erscheint mir die Zeit meiner Erkrankung wie eine Art Nebel, manchmal ist sie ganz nahe. Seitdem bin ich unheimlich vielen Menschen begegnet, die unglaublich mit meiner vergangenen Erkrankung umgegangen sind (das ganze war natürlich meine "Schuld", ich hätte keine Chemo gebraucht, positive Selbstliebe-Affirmationen hätten sicher besser gewirkt...). Es bringt mich noch immer innerlich zum Zittern - genauso wie das Schild "Intensiv-Station" und meine Nachsorgetermine meistens. Und ja, die Folgen sind unübersehbar da - zumindest für mich. Trotzdem bin ich glücklich, dass ich heute hier sitze und glücklich über die menschlichen Begegnungen während meiner Erkankung. Ich habe so viel von Euch allen gelernt, dass ich mich oft so reich fühle...

    Für mich selbst war ich noch auf einer psychosomatischen Reha um zu lernen mit den Folgen die ich vor allem im Beruf hatte (ich würde wagen zu behaupten, dass ich gemobbt wurde, weil ich nicht mehr so schnell bin, wie vor meiner Erkankung und weil ich noch ständig erkältet bin) besser klar zu kommen. Es hat mir viel geholfen. Und so nehme ich jeden Tag nach dem anderen auf dem Weg in ein wirklich neues Leben - denn zurück geht es für mich nicht mehr. Das ist mir mittlerweile klar. Obwohl ich eindeutig irgendwie noch die selbe bin...

    Alles Liebe

    Danke Ihr Lieben,

    ich freue mich so arg über Eure Anteilnahme...

    Manchmal habe ich das Gefühl, endlich die meisten Dinge überstanden zu haben, dann knüppelt mir ständig so ein Kram dazwischen ;-). Erst hatte ich echt Probleme mit den Folgebehinderungen meiner Erkankung umzugehen wie vermindertes Hören, Sehen, Gleichgewicht... Da ich selbst wohl auch eine Reizfilterschwäche habe, trifft mich die Unmöglichkeit Dinge parallel wahrzunehmen (aufgrund von diesen Behinderungen) extem.

    Aber letztendlich bin ich da wirklich über das Schlimmste hinaus auch wenn die Angst immer noch da ist und sich bei jeder Erkältung extra bemerkbar macht.

    Ich denke viel an Euch - und die gute Sache an meiner Erkankung waren die vielen starken, tapferen, empathischen Frauen, die ich live und auch hier kennen lernen durfte.

    Ganz liebe Grüße von Wolke und genießt diesen verregneten Sonntag


    Danke für Eure Antworten. Also mein Sohn hat eine Legasthenie und ADS (zweiteres ist nicht wirklich diagnostiziert, da der Kindertherapeut das aufgrund meiner Krankheit nicht diagnostizieren wollte, bei mir wurde das in der letzten Reha vor ein paar Wochen aber gemacht - wobei ich nicht die ICD-Kriterien dafür erfülle aber andere Dinge wohl eindeutig dafür sprechen - also liegt es auch für meinen Sohn nahe). Er hat keine gesteigerte Aggresivität - was er hat ist dass ihm die Impulskontrolle manchmal flöten geht, wenn er sehr stark gereizt wird, dann haut er zu - er schlägert jedoch nicht - sondern verpasst dem anderen dann eine, was ihm extrem leid tut - also sehr ADS-Typisch. Deswegen sind wir auch mit dem Kinderpsychologen im Gespräch und es gibt Massnahmen um ihn besser damit umgehen zu lassen. Er hat aber bisher erst zweimal in seiner Schullaufbahn einem Kind eine geschmiert... sonst äußert sich das eher in Brüllen und Türenschlagen (zuhause). Also die Lehrerin lügt in dieser Sache, auch sagen die anderen Kinder das. Die Klassenleitung hat leider ihrer Kollegin geglaubt. Allerdings hat diese - nachdem mein Sohn den anderen angeblich brutalst zusammengeschlagen hat die beiden Jungs allein im Klassenzimmer gelassen und ist auf den Pausenhof gegangen. Wenn das wirklich so gewesen wäre, wäre das fatal von ihr gewesen und eine eindeutige Aufsichtspflichtverletzung. Ich bin ehrlich gesagt ratlos und traurig, mein Sohn heute wegen psychosomatischen Beschwerden zuhause (er hat auch das Vertrauen in seine Klassenlehrerin, der er sehr vertraut hat bisher und viel anvertraut) verloren. Gestern abend hat er gespukt... LG Wolke

    Vielen Dank Ihr Lieben, da habt Ihr sicher recht. Ich glaube Ihre "Krebsgeschichte" hat mich ganz schön getriggert. Natürlich habt Ihr Recht - grübeln darüber hilft mir nicht - und weitergehende Hilfe für uns als Familie wäre sicher gut - ich dachte nur, dass meine Kinder in einer guten Umgebung dafür einfach mehr Zeit haben. (Mein Sohn hat kein "Aggressionsproblem" sonder anscheinend ADS, was bei ihm Probleme der Affektkontrolle verursacht und gleichzeitig ist er so sensibel, dass er nichts leisten kann, wenn er sich nicht anerkannt fühlt - da sind wir aber dran).

    Ganz liebe Grüße von Wolke

    Hallo ihr Lieben,


    ich hoffe, die eine oder andere kann sich noch an mich erinnern. Ich bin am 25.11. genau drei Jahre transplantiert und nun offiziell "überlebend". Mir geht es bis auf ein paar Folgen gut (Hörverlust, Herzinsuffizenz, fehlende Zehen und das eine nicht mehr sehende Auge). Da ich arbeitstechnisch Probleme hatte, war ich nun noch auf einer psychosomatischen Reha, was mir gut getan hat, auch wenn alle dort ganz andere Sachen haben. Ich wollte euch allen ganz arg Mut machen. Ich denke so oft an Euch und wie mir dieses Forum durch eine schwierige Zeit geholfen hat und wie viele starke, wundervolle Frauen es hier gibt... DANKE


    Nun da mich das Leben wieder hat, habe ich wieder genug andere Probleme. Die neue Lehrerin meines Sohnes (er ist auf einer freien Schule) hat mich im Cafe angesprochen und mir dann erzählt, dass mein Sohn schlimme Aggressionsprobleme hätte (was noch nie irgendwer über ihn gesagt hat). Er hätte psychische Probleme vermutlich weil ihm der Vater fehlt (ich bin ja alleinerziehend). Ich meinte dass das eher an meiner Erkrankung liegt, wenn dann, weil er eben dreimal mitbekommen hat, dass ich beinahe gestorben wäre - ich rede nicht gerne darüber, weil ich oft so blöde Kommentare bekomme - ich habe nur gesagt, dass wir so lange auf Reha gehen (meine Kinder waren mit), wegen der Krankheitsverarbeitung, weil ich eine Leukämie hatte - so weiß es die Schule). Sie meinte daraufhin, dass sie das kennt. Sie wäre auch beinahe gestorben und hätte Krebs gehabt. Ich fragte wo. Sie meinte zuerst Brust und zeigte dann wie groß ihr Karzinom war (gezeigt hat sie ungefähr die Größe von zwei Hühnereiern hintereinandergelegt.) Sie hat aber kleine Brüste, allerhöchstens B-Cup. Hm, sagte ich oder was in der Art, dann meinte sie sie hätte Gebärmutterhalskrebs und dann war von Gebärmutter die Rede, dreimal und beim ersten Mal durch den Heilpraktiker mit positiven Affirmationen zur Selbstliebe geheilt, beim zweiten Mal ging das nicht (was da war, weiß ich nicht, die Dame hat aber Haare, die fast bis zum Po reichen), und jetzt wäre sie wieder beim Heilpraktiker. DAbei drehte sie sich eine Zigarette und wirkte völlig entspannt. Die Geschichte hat mich extrem verwirrt. Da wir sie bei kleineren Lügen schon ertappt haben, wäre jetzt meine Frage an Euch. Kennt jemand, dass jemand anders auf die Krebsgeschichte mit einer eigenen (sehr heftigen) aber völlig ohne Gefühle zu zeigen reagiert?

    Und medizinisch an die Betroffenen hier: Kann das sein? Medizinisch gesehen? Und sie ist völlig fit?


    Ganz herzliche Grüße von Wolke

    Hallo Ticino,
    ja, diese Nebenwirkungen sind total mies und das Gefühl an der Chemo beinahe zu sterben ist sch***. Ich wäre es beinahe. Sie haben mich für 2 Monate ins Koma gelegt.Währendessen hab ich nix gefühlt. Ich war weg und alle haben mich abgeschrieben. Danach habe ich das gefühlt. Ohne Chemo wäre ich an meinem Krebs gestorben (ich hatte Leukämie). Tja. Ich glaube, dass ich das überlebt habe, weil ich eben nur beinahe dran gestorben wäre und weil ich denke, dass man oft (leider nicht immer) eine Chance hat, wenn man unbedingt leben will. Aber nur dann. Ich war mit einer Frau eine Zeitlang im Zimmer, die ist gestorben aber die konnte auch nicht mehr weil es so viel in ihrem Leben gab, das ansonsten noch schlimm war und das sie nicht verdauen konnte - z.B. war sie auch seit kurzme alleinerziehend. Ich hatte auch gerade eine Trennung hinter mir aber mir war klar, dass ich nicht wollte, dass es das gewesen ist, dass es noch mehr geben muss für mich. Vielleicht bin ich naiv, aber es hat geholfen. Ich sage nicht, dass man geheilt wird, wenn man positiv denkt, dass dann alles gut wird ... das ist Blödsinn. Aber ich glaube es hilft, wenn man will, es verschafft Zeit und es verschafft gute Zeit.
    Deshalb meine erste Frage: Bist du in einem Brustkrebszentrum? Falls nicht, geh in eins. (Mein Vater hat Prostatakrebs und im normalen Krankenhaus hier wollten sie ihn sofort bestrahlen, hormonell behandeln etc. und haben gemeint es gäbe keine Alternative, sie haben nicht einmal eine vernünftige Histologie gemacht um den Krebs überhaupt zu klassifizieren, haben nur was behauptet. Als er im Prostatazentrum untersucht wurde, sah es gleich anders aus und es gab plötzlich mehrere Alternativen). Falls ja, würde ich mir ein anderes suchen, du hast ja kein Vertrauen in deines, dort wird nicht so mit dir umgegangen wie du es willst/brauchst.
    Meine zweite Frage: Was willst du?
    LG Wolke

    Hallo Hoffnungsstern,
    ich hatte zwar was anderes, aber auch nach einem Jahr ein Rezediv. Das ist sch*** weil man gerade mal so angefangen hat mit der Ersterkrankung klar zu kommen, oder? Ich drücke Dir die Daumen (und keine Metas und Lymphdrüsenbefall klingt ja schon mal sehr gut, oder?)
    LG Wolke

    Hallo November, ich drücke Dir auch die Daumen ... und wollte nur sagen, ja, ich kann nachvollziehen wie beängstigend das mit kleinen Kindern ist (meine waren 6 und 1 Jahr alt). Ich hatte AML und war lange, lange im Koma, niemand hat geglaubt, dass ich das schaffe - außer meinem Sohn und in dem ganzen Nebel während dem Koma waren es auch meine Kinder, die mich durchhalten lassen haben (ich erinnere mich daran im Traum (?) gesagt zu haben - zu irgendwem? - na Sterben ist ja gar nicht so schlimm, aber zu früh für mich und ich habe mich umgedreht und bin "gegangen" ). Ich bin sicher, dasss mich das u.a. gerettet hat... LG Wolke

    Ich weiss nicht... ein Gedanke ist, dass wir Langhaarigen uns nie mit kurzen Haaren gesehen haben und nun erkennen, dass uns das steht... verändern tun wir uns tatsächlich, ich bin mir heute (2 Jaher danach) noch immer ein wenig fremd. Ich habe fast wieder lange Haare und sie nerven... einige (ich wollte das Deckhaar länger) sind auch noch "chemowurstlig" - mehr und dünner

    Liebe Hope,
    ich drücke Dir erst mal heftig die Daumen, dass alle Recht haben und es wirklich ein Infekt ist. Ich kann Deine Angst ein wenig verstehen. Meine Tochter bringt seit August aus dem Kiga einen Infekt nach dem anderen nach Hause. Ich bekomme sie alle. Und vor einer weg ist, setzt sich der nächste drauf. Aktuell geht es mir nicht gut damit und ich habe ziemlich Angst (fühlt sich so ähnlich an, wie zu Beginn der Krankheit, dass das sehr unwahrscheinlich ist, dass es eben nicht am Infekt liegt, hilft bedingt. Aber nicht wirklich. Habe gerade ein Erkältungsbad gemacht, das hat während dem Baden ein wenig geholfen ... manchmal hilft auch Spazierengehen...
    LG Wolke

    nnoch bin ich völlig sprachlos ... aber ich schreie mit Dir sobald die Stimme zurückkommt. Ich habe selten jemanden "kennengelernt", der so stark, so mutig, so ... wie Du. Ich hoffe so sehr, dass Du ein Wunder bist auch medizinisch, denn rein menschlich bist Du bestimmt eines.... :hug: Wolke

    Liebe Hope, nein Verdrängen hilft immer zwischendurch (und ich glaube da ist es gesund und notwendig). Ich glaube auch nicht an Vorherbestimmung - wer oder was sollte das denn tun? Und wäre dieses wer oder was dann nicht grausam und ungerecht? Ein wenig glaube ich schon an sowas, in dem Sinn, dass niemand an seiner Krankheit irgendwie "schuld" ist, die ist passiert ich glaube auch nicht, dass wir letztendlich verhindern können zu sterben - ich glaube aber schon, dass ich einen Anteil daran hatte, nicht gestorben zu sein während meinem Koma, ich denke es gibt Situation, da ist die eigene Resilenz doch irgendwie wichtig wobei man damit natürlich nicht alles aufhalten oder ändern kann... schwierig. Ich glaube, schon, dass es möglich ist quasi sein "Bestes" zu geben um die Sache positiv zu beeinflussen, aber manchmal ist das "Schicksal" so (fies?), dass das nicht genügt. Ich denke es ist mit allem im Leben so - ich bin ja auch keine perfekte Mutter für meine Kinder, aber ich gebe eben mein "Bestes" und bemühe mich ... so in etwa.

    Ich habe eine ein wenig andere Situation. Zwei Jahre war ich die Hälfte der Zeit im Krankenhaus, meist komplett isoliert aber manchmal auch nicht. Dann habe ich viele Leute getroffen, die gestorben sind, habe mit dreien das Zimmer geteilt, die kurz darauf verstorben sind. Zwei davon in meinem Alter. Es war eine Zeit, in der ich irgendwie immer wieder mit dem Tod "Tee getrunken habe". Ich hatte viel Angst - wie ihr. Aber meistens hat es mir geholfen wenn ich mir gesagt habe: Und wenns das war, also wenn ich morgen nicht mehr bin, wie soll dann mein letzter Tag gewesen sein? Das hat mir ein wenig geholfen mich nicht ständig wie ein Kaninchen im Eck zu fühlen....
    Aber ich hab immer noch manchmal Angst. Vor jedem Kontrolltermin, bei jeder Erkältung (weil ich mich dann fühle wie damals), wenn mein Herz wegen dem Wetter "spinnnt" (habe seit Therapie einen Herzschaden) ... ich bemühe mich meiner Angst davon zu leben und sie wird weniger jeden Tag. Die Panik kommt immer seltener auch wenn es nach wie vor "Trigger" gibt...

    Ich kann eigentlich nur sagen, dass ich wie wild hinter der Tür herumgesucht habe. Ich dachte irgendwie ich müsste was ganz Neues machen, alles hat sich so anders angefühlt - sogar ich selbst. Ich habe mich für etliche Fortbildungen angemeldet und diese wieder abgesagt. Ich habe mich ständig gefragt, was mir eigentlich fehlt. Ich weiß es jetzt ... und jetzt könnte ich es angehen wenn ... wenn ich Zeit hätte und den Kopf frei. Dass ich keine Zeit habe liegt daran, dass ich eben diese Arbeit machen muss um Geld zu verdienen (oh ja, ich verstehe Euch alle, die Gldprobleme haben). Ich suche nach einem Zauberschlüssel, der irgendwie alles zu einem "eins" werden lässt, vermutlich, weil ich mir einbilde, dass sich auch das "Außen" ändern muss und nicht nur mein "Innen", damit die ganze Krankheit irgendwie "Sinn" hat. Versteht Ihr, was ich meine?

    Wildebeest, ich habe so oft an Dich gedacht... Ich glaube ich kann Deine Gedanken verstehen - den Wunsch noch irgendwas zu machen (vielleicht auch die Suche nach dem Sinn?) Als ich neu erkrankt war habe ich mir nichts anderes gewünscht, wie mit meinen liebsten Freundinnen noch mal Frühstücken gehen und mit meinen Kindern am Bach spielen. Dann kamen die Gedanken zurück, dass ich was "Großes" machen möchte, dass ich die verbleibende Zeit irgendwie sinnvoll nutzen muss... Am schlimmsten waren die drei Wochen vor der Transplantation, die ich daheim war, ich habe nichts davon gemacht, ich war so ein wenig in Angststarre mit dem Gedanken, dass das vielleicht meine letzten drei Wochen sind. Und jetzt ist es so, dass ich das Gefühl habe ich "vertrödele" so viel mit "Alltag" und auch mit den Sorgen darum... vielleicht sollte ich eine Buckett-list machen? Oder noch mal darüber nachdenken, was mir am wichtigsten ist? Du bringst mich immer intensiv zum nachdenken und machst mich auch irgendwie sprachlos. So denke ich an Dich und :hug: .... vielleicht ist hinter der Tür nichts von außen so viel anderes wie vorher? Nur wir sind diejenigen, die anders sind und wenn wir uns nicht stressen lassen geht es irgendwie intensiver zu leben jeden Tag, den Sonnenaufgang richtig zu sehen, wie es langsam Herbst wird und die Kastanien von den Bäumen purzeln, wie heiße Schokolade schmeckt wenn es kälter wird ...? Vielleicht ist das ja der "Sinn" von allem? Irgendwie... manchmal glaube ich das.... aber doch stehe ich immer noch relativ verwirrt in der Tür...

    ... nachdem ich den ganzen Tag bisher über das Bild mit der "Tür" nachgedacht habe, die zuschlägt, wenn man die Diagnose bekommt wollte ich ein Thema aufmachen zum Thema "danach" ... was kommt danach. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, was das sein könnte .... Ideen?

    Danke. Ihr seid echt toll. Wie immer fühle ich mich hier so richtig verstanden.
    Danke Karlinchen - irgendwie werde ich immer so panisch, dass ich das vergesse (ich arbeite mit Kindern und die sind ja irgendwie "Virenschleudern" - nicht böse gemeint). Vor einer Kündigung habe ich nicht Angst. Ich war so ehrlich bei dem Einstellungsgespräch (ich hatte gerade die Absage für den Nr1-Job auf meiner Rangliste bekommen und Nr2 wollte mich nicht, weil ich sie so lange hingehalten habe), also ich habe gesagt, dass ich eben schlecht höre und mein Immunsystem zwar gut ist - aber eben im Verhältnis zu dem, was ich "abbekommen" habe. Ich weiß nicht, wie das mit der Kündigung ist? (Ich habe ja noch die Schwerbehinderung, aber das zählt vermutlich in der Probezeit nicht - bei der anderen Stelle haben sie mich halt so lange blöd behandelt bis ich freiwillig gegangen bin).
    Miami - das ist so schön, wie wenn man sich wiederbegegnen würde. :) Ja, weniger Speed wäre gut. Das fällt mir aber sehr schwer,auch weil ich mich eigentlich umorientieren will beruflich auf längere Sicht und das kommt dann noch an Arbeit dazu. Ich glaube eine Reha würde ich gar nicht mehr kriegen (ich hatte noch eine MuKi-Kur zwischenzeitlich im Frühjahr) und meine Eltern würden das nicht mehr packen mit den Kindern (mein Papa hat mittlerweile auch eine Krebsdiagnose - Prostata). Ich kann aber versuchen selbst besser für mich zu sorgen. Das finde ich aber schwierig.
    Wie sorgt ihr eigentlich für Euch? ?(
    Flora, was für ein tolles Bild :love: (oh wie schön, dass ich wieder ovn Dir lese, auch an Dich erinnere ich mich gut). Ja, "auf dem Weg in ein anderes Leben", allein dieses Bild gibt mir echt Mut und Hoffnung. Manchmal fühle ich mich auf diesem Weg nur so schrecklich allein (meine Therapie habe ich abgebrochen im Dezember, es waren einfach "zu viele Termine" und es wurde so viel aufgewühlt, dass ich schlecht damit umgehen konnte - ich habe noch alle 4 Wochen von der Krebsberatung, aber das ist echt wenig). Schön, dass es Euch gibt.
    Letzte Woche war ich zum ersten Mal wieder auf einer "Party" und ich musste mich nach einer halben Stunde ins Klo begeben um ein wenig zu weinen, ich habe mich einfach soo fremd gefühlt.
    Wie geht ihr alle durch diese Tür? Vielleicht könnten wir uns gegenseitig irgendwie helfen?
    LG von Wolke, die immer noch überlegt, ob sie heute doch arbeiten gehen kann... 8|