Beiträge von Ginome

    "Opa, was hättest du denn lieber: ein hübsches Mädchen oder ein Sahnebonbon?"


    "Dumme Frage! du weißt doch, dass ich keine Zähne mehr habe!"

    Den verstehe ich nicht. wofür hat er sich denn entschieden und warum?

    Wenn ich Klinikaufenthalte höre denk ich direkt an Psychiatrie und Zwangsjacken. Ich hoffe es war nicht so schlimm 🙄

    Zwangsjacken gibt es schon ewig nicht mehr. Die Psychiatriereform in den 80ern hat da sehr viel verändert.

    Selbst Fixierungen sind selten und auch nur mit richterlichem Beschluss möglich. Dabei sind sie bei manchen Krankheitsbildern unumgänglich.


    Lebt deine Mutter noch und hast du noch Kontakt zu ihr?

    Ich habe wieder Kontakt zu ihr. Die Diagnose hat uns beiden sehr viel erklärt und viel Schuld rausgenommen.

    Sie hat auch bei der Diagnostik gut mitgearbeitet. Ohne Zeitzeugen kann eine Autismusdiagnose ja nicht sicher gestellt werden.

    Ich hatte mehrere Druckverbände weil es auch mehrere Knoten waren. Das Stanzen selbst tat nicht weh. Ich habe mich nur jedesmal bei dem Geräusch erschreckt. Als ich zu Hause war und die Verbände abnehmen durfte waren die Brüste mit Hämatomen übersäht und taten entsprechend weh. Das war aber nicht schlimm. Jeder hat sich ja mal wo gestoßen.

    Die Knoten waren gutartig.

    Wieso erschrocken? Die meisten Autisten waren (mehrfach) in der Psychiatrie. Viele bereits als Kind oder Jugendlicher.

    Ist recht normal.

    Zum Autismus gesellen sich gerne Ängste, Zwänge und auch Depressionen.

    Im Laufe der Jahre entwickelt sich häufig ein niedriges Selbstwertgefühl. Man versucht dazuzugehören. Man möchte auch Freunde, Partner wie alle anderen. Es geht aber nicht und man versteht nicht wieso.

    Oder man möchte gerne arbeiten und es geht nicht. Ein Gedanke der Nutzlosigkeit kommt auf.

    Wenn dann ein bestimmter Punkt überschritten ist bleibt nur die Klinik.


    Ich weiß nicht wie junge Autisten reagieren die ihre Diagnose sehr früh erhielten. Ich kann mir aber vorstellen, dass es einfacher ist damit umzugehen - jedenfalls dann wenn man die Diagnose akzeptiert hat.

    Vor 50 Jahren gab es keine sprechenden Autisten. Daher bekam ich eine andere Diagnose. Diese erklärte mir gar nichts. Sie gab nur meiner Mutter alle Schuld. Zu jedem Zeitpunkt einer erneuten Diagnostik als Kind war meine Mutter Schuld. Aber auch als Erwachsener war bei jeder erneuten Diagnostik dieser Punkt mit enthalten.

    Das Aspergersyndrom wurde erst Mitte / Ende der 90er wirklich bekannt. Als ich dann von einer Spezialambulanz die Diagnose erhielt war es erstmal schwierig weil es auch eine Endgültigkeit hatte. Irgendwann danach fing ich an zu akzeptieren. Spätestens da war meine Klinikkarriere beendet. Ich habe mich im Leben eingerichtet und komme, mit Hilfe, irgendwie klar.


    Jahre vorher half aber auch das Internet das die Häufigkeit abnahm. Kontakte waren plötzlich doch in einem bestimmten Rahmen möglich. Allerdings gab es auch hier kommunikative Schwierigkeiten und Stress. Deshalb warne ich gerne vor. Ich habe auch im Netz viele Leute vergrault und es erst gemerkt als es viel zu spät war.

    Ob ich einsam war weiß ich nicht. Ich habe kaum Zugang zu meinen Gefühlen und kann mit "Einsamkeit" nichts anfangen.

    Ich hatte es versucht früher.

    Als Jugendliche und junge Erwachsene "weil es sich so gehört". Das "dazugehören" war immer ein wichtiger Punkt.

    Später auch weil ich es mir wünschte.

    Es war mir schon immer ein Rätsel wie sowas geht. Für jemanden, der noch nichtmal Freundschaften aufbauen und halten kann, ist eine Beziehung die nächste Stufe des Unmöglichen. Also noch viel schwieriger.

    Meine Freundschaften halten auch nur weil der Gegenpart all das übernimmt was ich nicht kann und auch deswegen nicht sauer ist.

    Zu einer Beziehung gehört Sex, oder zumindest Zärtlichkeiten, zwingend dazu. Selbst wenn sich jemand darauf einlassen würde, lange ginge das nicht gut.

    Das nächste Problem ist auch das Zusammenwohnen. Das würde ich keine drei Tage ertragen. :D


    Daher habe ich eingesehen, dass es keinen Sinn hat. Ich komme mit dem Alleinsein eigentlich gut klar. Vor allem weil es auch mittlerweile das Internet gibt was für mich normale Kommunikation ersetzt. Bevor es das gab war ich regelmäßig in der Klinik. Das ist jetzt nicht mehr so. Auch wenn ich mich über so manche Idioten in den Autismusforen regelmäßig aufrege :D

    Der Wunsch nach einem Partner ist jedenfalls stark geschrumpft und ich bin eigentlich froh darüber. Das fördert nämlich Depressionen.

    und es ist auch nicht ganz unerheblich, ob du dich in ihn verlieben könntest???

    Das ist schwierig da ich Gefühle, auch meine eigenen, nur schwer erkennen kann.


    Der Sohn meines Mannes wird 40, hatte noch nie eine Freundin oder einen Freund, lebt mit seinem Kater alleine und ich glaube, das wird auch so bleiben.

    Wie bei mir, nur mittlerweile ohne Katze und ü-50.


    Du wirst sehen, für Dich wird es den Partner fürs Leben auch noch geben...er kommt durch reinen Zufall...warte es ab.

    Niemals xD

    Was den Partner fürs leben betrifft: Gib die Hoffnung nicht auf, wenn du es dir weiterhin wünschst, tritt er vieleicht doch noch in dein Leben.

    Das bezweifle ich. Erstens gehe ich kaum vor die Tür. Der Briefträger wird sich wohl kaum in mich verlieben :D

    Zweitens wollen die Menschen Sex oder auch nur Zärtlichkeiten. Das geht eben nicht.


    Ich weiß mittlerweile, dass es tatsächlich sogar einige Autisten gibt mit Partner und Kindern. Zu denen zähle ich halt nicht.

    Hättest du denn gerne Kinder und Mann gehabt? Das könnte ich jetzt nicht aus deinen Zeilen lesen.

    Ich habe es mir früher gewünscht. Zumindest den Mann. Dass Kinder nichts für mich sind war mir schon als Kind klar.

    Daher ist es für die Kinder gut das sie nie geboren wurden. Sie hätten keine gute Kindheit gehabt und mit Sicherheit einen psychischen Schaden bekommen.

    Einen Partner habe ich mir aber lange Zeit gewünscht. Seit etwa 10 Jahren habe ich endgültig aufgegeben. Es soll halt nicht sein.

    Warum hat eigentlich Babykleidung Taschen?

    Ich habe noch nie ein Baby sagen hören „Kippen, Handy, alles da... wir können los!“

    Das ist eine gute Frage. Warum eigentlich?

    Es geht ja nicht nur um Kinder. Ich kann keine Beziehung führen, ich kann keinen Sex haben. Ergo ist das "keine Kinder" eine Nebenwirkung. Auch Freundschaften sind mir nur im ganz ganz kleinen möglich und auch nur wenn der andere Part geduldig ist und auch akzeptiert, dass man sich auch mal über Monate weder sieht noch hört.

    Keine Familie zu haben ist auch heutzutage noch ein Grund für Ausgrenzung. Mit "alten Jungfern" will niemand was zu tun haben.

    Dazu kommt aber auch, dass man einfach keine Themen hat zum Austausch. Wenn "normale" Leute Kinder haben, oder Beziehungen, ist nur noch das Thema. Da bin ich dann noch mehr draussen als ohnehin schon.

    Meine paar Freunde sind allesamt "bekloppt". Einen kenne ich aus der Psychiatrie, die anderen zwei aus dem Netz. Die längste Freundin, die ich habe, kenne ich aus der Ausbildung. Da hatte aber sie die Initiative ergriffen von Anfang an. Man kann sie auch nicht aus Versehen verstoßen. Die kommt immer zurück wie ein Bumerang. Sie hat ADHS. Sie hatte zwar später Mann und Kinder, aber wir haben trotzdem noch gemeinsame Interessen (Spielen).


    Ja, die Katze hatte ich ein paar Jahre. Bis sie 1993 gestohlen wurde. Seitdem hatte ich nie wieder eine Katze.